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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 525

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Die Frau im Tempel und in der Synagoge
Date
1924-01-01
Page
525 (sequence 3)
Language
German
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Die Frau im Tempel und in der Synagoge 525 bestand. — Der Neumond war geradezu ein Feiertag für die Frauen, der sogar noch im Mittelalter beobachtet wurde, an dem die Frauen sich von jeder Arbeit frei machten. Die Rabbiner begründen diesen Feiertag mit folgendem: Als die Männer ihre goldenen Ohrringe zerbrachen und sie als Material für das goldene Kalb gaben, weigerten sich die Frauen, ihr Geschmeide beizusteuern. Dieses gute Betragen wurde durch einen besonderen Ruhetag belohnt. Einige Kabbalisten behaupten, daß die ursprünglichen Anbeter des goldenen Kalbes weiterleben, indem ihre Seelen in verschiedene Körper übergegangen sind. Ihre Strafe bestehe darin, daß sie von ihren Frauen beherrscht werden. Ebenso interessant wie schmeichelhaft den Frauen gegenüber ist die Bemerkung, die die Rabbinen hinsichtlich der „vornehmen" Frau machen, wenn sie sagt: „Siehe doch, ich weiß, daß er (Elias) ein heiliger Mann Gottes ist." In Anspielung auf diesen Vers sagt der Thalmud: „Dieses Wort ist Beweis dafür, daß die Frau den Wert eines Fremden eher als der Mann erkennt." Wie die „vornehme Frau", so beteten die Frauen im allgemeinen und nahmen auch nach der Zerstörung des ersten Tempels an dem öffentlichen Gottesdienst teil. Die Überlieferung berichtet uns z. B. von Esther, daß sie ein langes Gebet zu Gott richtete, bevor sie vor den König Achaschwerosch trat, um für ihr Volk zu bitten; und so ist für immer jede Frau verpflichtet, bei der Vorlesung des „Buches Esther" zugegen zu sein. Als Esrah zum erstenmal die Thorah vorlas, tat er es in Gegenwart der Männer und Frauen (Nehemiah 8, 3). Im Makkabäerbuch lesen wir von „den Frauen, die sich mit Säcken umwickelten . . . und den Mädchen, die an die Tore liefen, . . . und alle hielten ihre Hände gen Himmel und beteten innig.u In der Juditherzählung kommt die Stelle vor: „Jeder Mann und. jede Frau . . ., die vor dem Tempel knieten und ihre Sackgewänder vor Gott ausbreiteten . . . , und zu dem Gotte Israels schrieen." Im zweiten Tempel war bekanntlich ein Hof für kdie Frauen eingerichtet, der ihnen zum eigenen Gebrauch zugewiesen wurde. Das war der Ort, an dem am Abend des Hüttenfestes große Illuminationen und Dankgebete abgehalten wurden. Bei dieser Gelegenheit' jedoch nahmen die Frauen ihre Plätze auf den für sie besonders eingerichteten Galerien ein. Die öffentliche Vorlesung eines bestimmten Teiles der Gesetze, die der König einmal in 7 Jahren hielt, fand auch in dieser Frauenhalle statt. Auch hier waren alle Frauen anwesend. Andererseits ist es wohl kaum nötig zu sagen, daß Frauen von der Ausübung irgendeines wichtigen Tempeldienstes ausgeschlossen waren. Wenn wir einer gewissen Stelle in den „Abschnitten von R. Elieser" glauben dürfen, können wir vielleicht daraus schließen, daß zur Zeit des ersten Tempels die Frauen der Leviten einen Teil des Chors bildeten; aber der Sinn des Angeführten ist zu dunkel und zweifelhaft für uns, um wirklich einen vollgültigen Schluß zuzulassen. Ebensowenig standen die 300 Mädchen, die die Tempelvorhänge weben mußten, in näherer Beziehung zum Tempel. Auch ist es nicht richtig (man könnte es fälschlicherweise aus gewissen Stellen der apokryphen Schriften des

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