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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 524

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Die Frau im Tempel und in der Synagoge
Date
1924-01-01
Page
524 (sequence 2)
Language
German
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524 Salomon Schechter: zu lenken — und so vielleicht andere dazu anregt, sich eingehend damit zu befassen und ihm die wohlverdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Zum erstenmal wurde auf die Teilnahme der Frau am öffentlichen Gottesdienst in Ex. 38,8 angespielt: „Und er machte das Waschbecken von Kupfer und sein Gestell von Kupfer aus den Spiegeln der sich scharenden Frauen, die sich am Eingang des Stiftszeltes versammelten." 2) Philo, der nicht gerade ein Freund der Frauenemanzipation war, der die Rechte der Frauen sogar gerne sehr beschränkt wissen möchte, ist hier ihres Lobes voll, mit der Begründung, daß sie „ohne Aufforderung mit Eifer und Ernst die Spiegel herbeitrugen, mit denen sie gewohnt waren, sich zu schmücken und ihre Schönheit zu zieren, als die anmutigsten Erstlingsfrüchte ihrer Bescheidenheit und der Reinheit ihres ehelichen Lebens, gleichsam als Schönheit ihrer Seele." An einer anderen Stelle beschreibt Philo die jüdische Frau als „wetteifernd mit dem Mann in Frömmigkeit, bestimmt, in einen ruhmvollen Streit mit ihm einzutreten und sich mit aller Kraft anzustrengen, um nicht in ihrer Frömmigkeit zurückzubleiben". Es ist jedoch sehr schwer festzustellen, worin die Teilnahme der Frau bestand. Das hebräische Wort Zobeoth könnte den Gedanken an eine Art religiöser Amazonen aufkommen lassen, die rund um das Heiligtum eine Art Ehrenwache bildeten. Andere Kommentatoren denken dabei an eine Art religiöser Tänze unter Begleitung verschiedener Instrumente. Die Septuaginta wieder spricht von Frauen, die fasteten und an der Tür des Zeltes saßen. Die meisten alten jüdischen Erklärer, wie auch Onkelos, sagen, daß die Frauen zum Beten in das Stiftszelt gingen. Ibn Esra macht dazu die interessante Bemerkung: „Es gab Frauen in Israel, die Gott dienten, die die Eitelkeit der Welt verließen und die, da sie sich nicht länger schmücken wollten, ihre Spiegel als freiwillige Opfer darbrachten und jeden Tag in das Stiftzelt kamen, um zu beten und auf die Vorschriften zu hören." Wenn wir im Sam. I, 1 hören, daß ,Hanna lange vor Gott betete', so tat sie nur das, was viele ihrer Schwestern vor und nach ihr taten. Wir dürfen auch annehmen, daß aus der Zahl dieser edlen Frauen, die die Religion zum Ziel ihres Lebens machten, jene 22 Heldinnen und Prophetinnen herstammen, die an der Herrlichkeit der jüdischen Geschichte ihren Anteil haben. Es kam sogar vor, daß sich ihre Männer von ihnen religiös beeinflussen ließen. So soll der Gemahl der Prophetin Deborah ungelehrt gewesen sein. Aber Deborah ließ ihn die Kerzen, die sie vorbereitet hatte, in das Heiligtum tragen, um ihn so anzuspornen, Umgang mit der Lehre Gottes zu suchen. Die Frage, die der Gatte der „vornehmen Frau" von Shunem stellt: „Warum willst du heute zu ihm (dem Propheten) gehen? Es ist weder Neumond, noch Sabbath"2) beweist, daß die Frauen an Festtagen und Sabbathen gewöhnlich irgend einer Art des Gottesdienstes, die der Prophet vollzog, beiwohnten. Wir können allerdings nicht sagen, worin dieser Gottesdienst x) Vgl. I. Sam. 2, 22. 2) II. Kg. 4, 23.

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