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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 522

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Lösung der zionistischen Krise?
Date
1924-01-01
Page
522 (sequence 10)
Language
German
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522 Gerhard Holdheim: Lösung der zionistischen Krise? stischen Loge, die insofern exklusiven Charakter tragen soll, als sie nur Menschen aufnimmt, die in Charakter und menschlicher Haltung die notwendigen Anforderungen befriedigen. Der Leitgedanke dieses Bundes ist die zionistische Verpflichtung. Die Satzung verlangt Erfüllung zionistischer Leistungen, je nach persönlicher Eignung. Es gibt eine Unzahl Arbeiten politischer, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, organisatorischer, propagandistischer, pädagogischer Art, die ehrenamtliche Mitarbeit erfordern. (Daß es heute soweit gekommen ist, daß fast die ganze zionistische Arbeit von Berufsbeamten geleistet wird, ist ein unmöglicher Zustand und wird als solcher in erster Reihe von der Beamtenschaft selbst empfunden). Würde somit der neu zu schaffende Orden eine Gemeinschaft darstellen, die sich als Träger der zionistischen Entwicklung, als verantwortliches Organ der Bewegung empfindet, so hat er gleichzeitig die Aufgabe, seine Mitglieder durch Vorträge, informatorische Berichte, Diskussionen, Kurse immer aufs neue anzuregen und mit dem Zionismus und dem werdenden Palästina zu verbinden. Jedem muß die Möglichkeit gegeben werden, nach Maßgabe seiner besonderen Interessen sich weiterzubilden. Auch das Prinzip der gegenseitigen Hilfe ist zu entwickeln, Kassen sind zu gründen, aus denen der Not gesteuert, insbesondere aber denen geholfen wird, die die Übersiedlung nach Palästina aus eigenen Mitteln nicht bestreiten können. Vor allem jedoch muß jedei; den Orden als das Zentrum seines gesellschaftlichen Lebens empfinden. Dem widersinnigen Zustande muß ein Ende gemacht werden, daß Zionismus nur als Arbeitsgebiet empfunden wird und man so die Stunden, die der Erholung, der Zerstreung, der Gesellschaft gewidmet werden, in einem ganz anderen Kreise verbringt. Ich glaube, daß diese Außerachtlassung der gemütlichen Bedürfnisse, die jeder, auch der geistigste Mensch, besitzt, einen sehr erheblichen Teil der Zionisten unserer Bewegung entfremdet hat. Das spricht zwar nicht gerade für die Stärke der zionistischen Gesinnung, ist aber menschlich zu begreifen. In diesem Zusammenhange ist insbesondere der verheirateten Zionisten zu gedenken, bei denen in erschreckendem Maße zu beobachten ist, wie die Ehe die Bindungen an den Zionismus zerschneidet. Es erhebt sich hier das ernste (merkwürdigerweise noch nie diskutierte) Problem, ob und durch welche Mittel es möglich ist, Zionistenfrauen, die bis zur Ehe in keine Berührung mit dem Zionismus gekommen sind, an die Bewegung zu ketten. Mir scheint, daß — trotz aller gut zu verstehender Bedenken —■ der Versuch einer Frauenloge gemacht werden sollte. Die Heranbildung von Frauen zum Zionismus erfordert begreiflicherweise andere Methoden als die der Männer, und eine Vereinigung, die unter Führung von hervorragenden Zionistinnen arbeitet, bietet eine geeignete Ausbildungsstätte. Daß den Frauen nur ihrer spezifischen Eignung entsprechende Tätigkeiten übertragen werden dürfen (soziale Arbeit, Kindergärten, Nationalfondssammlungen usw.), versteht sich von selbst. Während also, wie mir scheint, prinzipiell eine Trennung der Männer- und Frauenlogen zu erfolgen hätte, gibt es natürlich Probleme, die gemeinsamer Er-

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