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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 520

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Lösung der zionistischen Krise?
Date
1924-01-01
Page
520 (sequence 8)
Language
German
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520 Gerhard Holdheim: gesetzt wird, hat frappante Ähnlichkeit mit jesuitischen Methoden, und ich frage, ob es denn schon so weit mit uns gekommen ist, daß wir den „ Geist41 der exercitia spiritualia nicht mehr entbehren können. Niemals bin ich der Lehre gefolgt, daß das Judentum ein unabänderliches geistiges Antlitz trage, daß der jüdische Geist sich nur in bestimmten Bezirken objektivieren könne, und stets habe ich gelächelt, wenn jemand, um etwas zu diskreditieren, es als „unjüdisch" verdammen zu können glaubte. Es gibt aber eine Grenze, die auch der „formale Zionismus" anerkennen wird. Es gibt Kategorien und Vorstellungsreihen, die in der Tat dem jüdischen Geiste, dem historisch gewordenen Judentum so fremd, so unnahbar erscheinen, daß der Instinkt sich dagegen zur Wehr setzt, und ein System, das an die Urrechte des Menschen zu rühren wagt und lebendiges Leben in Ketten legt, hat für mein Gefühl nichts mehr mit Judentum gemeinsam. Zionismus als die Gesundungsbewegung des jüdischen Volkes muß solche Methoden weit von sich weisen, und er kann nur gedeihen, wenn eine andere, frischere, freiere Atmosphäre in ihm herrscht. Große Forderungen stellt er an seine Menschen, aber nur aus der Freiheit des innerlich freien Menschen darf ihnen Genüge geschehen. Chaluziuth ist eine und zwar die größte zionistische Forderung. Ohne sie ist der Aufbau Palästinas nicht möglich; doch nur an wenige kann sie sich richten. Als Chaluzim kommen jugendliche Menschen in Betracht, die in der zionistischen Erfüllung die persönliche Aufgabe ihres Lebens sehen, die, stark und unverbraucht, Tatmenschen aus Veranlagung, in Freude hinübergehen und nicht auf den Gedanken kommen, daß sie damit ein Opfer bringen. Solche in sich ruhenden, ausbalanzierten, ihrer selbst frohen Jungen sind allein die Objekte einer Berufsberatung, die Chaluzim gewinnen will (und die nie Vorsicht genug walten lassen kann). Wer ausgesprochene Neigung zu einem geistigen oder künstlerischen Beruf hat, darf nicht zur Chaluziuth veranlaßt werden, auch wenn er sonst auf Grund seiner menschlichen Qualitäten geeignet wäre. Streng abzulehnen ist die Auffassung, daß allein die Rücksicht auf die Notwendigkeiten Palästinas den Beruf bestimmen kann. Dies würde eine Degradierung des Berufes bedeuten, Palästina nur schaden, vor allem aber in bezug auf die Menschen nicht zu rechtfertigen sein. Chaluzkandidaten sind nur die, die eine Gewähr dafür bieten, daß sie in einem manuellen Beruf ihre Befriedigung finden werden. Wer Landwirt oder Handwerker werden will, muß sich darüber klar sein, daß er sein ganzes Leben mit diesem Berufe verknüpft. Chaluziuth ist kein Opfer (es darf zumindest subjektiv nicht als solches empfunden werden), sondern höchste zionistische Erfüllung, nicht Selbstentäußerung, sondern bewußte Selbst beschränkung. Der Chaluz verzichtet auf die Annehmlichkeiten des Daseins nicht aus Prinzip, sondern in der Erkenntnis, daß ohne eine Zeit der Entbehrungen sein Palästinaziel nicht erreicht werden kann. Sein Ideal ist es, die Notwendigkeiten des Volkes in harmonischen Einklang zu bringen mit den Notwendigkeiten seines eigenen Lebens. Er hat es nicht nötig, den Freuden des Da-

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