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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 515

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Lösung der zionistischen Krise?
Date
1924-01-01
Page
515 (sequence 3)
Language
German
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Lösung der zionistischen Krise? 5*5 werk solcher Dimension von einer einzigen Gruppe nicht getragen werden kann. Man sollte auch nicht vergessen, daß das russische Judentum, das früher das Rückgrat und die stärkste Potenz der zionistischen Bewegung bildete, seit dem Kriege nicht mehr in Aktion treten kann. Zeigt Beilinson mit diesen Bemerkungen, daß er den tatsächlichen Verhältnissen in keiner Weise gerecht wird, so beweist eine andere Stelle seines Aufsatzes, wie sehr er die Dinge durch die Brille des reinen Ideologen betrachtet. Er klagt, daß eine so revolutionäre Bewegung wie die zionistische mit so nüchternen, so praktischen Mitteln ihre Verwirklichung gesucht habe. „Auf politischem Gebiete: diplomatische Verhandlungen auf der Geldbasis, Kauf von Charter; auf wirtschaftlich-sozialem Gebiete: wiederum Einkauf von Boden, Kolonistenansiedlung." Difficile est satiram non scribere. Soll man ernsthaft darlegen, daß die Mittel, die zur Erreichung eines noch so idealen, aber schließlich politischen Zieles anzuwenden sind, höchst irdischer Natur sein müssen? Wie würde ein Palästinenser es belächeln, daß man den Bodenkauf und die Kolonistenansiedlung als nüchterne Methoden anspricht? Mir scheint übrigens nichts ergreifender und revolutionärer zu sein als die Idee des Keren Kajemeth, den palästinensischen Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben, die Erde Erez Israels zu „erlösen". Und ist etwas Phantastischeres denkbar als Herzls Charterkonzeption? IL Es hat keinen Sinn, weitere Beispiele für die Beilinsonsche Argumentation zu geben, und es dürfte zweckmäßiger sein, wenn ich selbst in aller Kürze andeute, worin meines Erachtens die Ursache der Krise zu suchen ist. Ich sehe vorwiegend zwei Momente. Das erste ist: die allgemeine Weltkrise. Es ist richtig, daß der Zionismus dieser Weltkrise seine politischen Erfolge zu verdanken hat. So wahrhaftig die Zionisten den Krieg nicht herbeigewünscht haben, so sicher ist es, daß ohne die große politische Umwälzung keine Balfourdeklaration und kein Palästinamandat vorhanden wäre. Der Weltkrieg mit all seinen zersetzenden Folgen hat aber gleichzeitig die Stoßkraft der zionistischen Bewegung gelähmt. Der tiefste Grund der zionistischen Schwäche ist, daß wir unser ungeheures Ziel in einer Zeit verwirklichen müssen, die den Menschen abgestumpft und die Empfänglichkeit für ideale Gedanken außerordentlich herabgesetzt hat. Wie alle andern, so sind auch die Zionisten müde geworden. Der Kampf um die wirtschaftliche Existenz lastet schwer auf ihnen, die Tretmühle des Alltags unterbindet die Entfaltung der seelischen Kräfte. Deutlich ist dies bei der Jugend zu erkennen, insbesondere der akademischen, die vor dem Kriege in erster Reihe die Ideen des Zionismus verfochten hat. Wenn heute die großen Studentenorganisationen zu verfallen drohen, wenn die „Alten Herren" im Wirtschaftsleben völlig untertauchen und bei der akade- 33*

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