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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 514

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Lösung der zionistischen Krise?
Date
1924-01-01
Page
514 (sequence 2)
Language
German
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514 Gerhard Holdheim: Tatsache, daß das zionistische Leben trotz der politischen Erfolge seit langer Zeit stagniert, dissentierende Meinungen wohl kaum bestehen, lohnt es sich allein, die Frage nach den Ursachen aufzurollen. Was Beilinson hier ins Treffen führt, ist zum größten Teil anfechtbar und wird dem Problem in keiner Weise gerecht. Zwei Beispiele mögen dies beweisen. Nachdem der Verfasser die Notwendigkeit der Heranziehung von Nichtzionisten zu verantwortlicher Mitarbeit zugegeben hat, sagt er, der Zionismus müsse den Mut haben sich einzugestehen, daß dieser Schritt eine Niederlage bedeute. Gegen diese Meinung kann nicht scharf genug Widerspruch erhoben werden. An anderer Stelle *) habe ich zu zeigen versucht, wie unsinnig es ist, in jedem Nichtzionisten, der sich am Palästinaaufbau beteiligt, sogleich eine Gefahr für das nationale Aufbauwerk zu wittern. So sehr ideologische Differenzen zwischen uns und den andern vorhanden sind (die insbesondere in der Betrachtung des Galuthproblems in die Erscheinung treten), so sollte man doch endlich erkennen, daß in bezug auf den Palästinaaufbau keinerlei prinzipielle Meinungsverschiedenheiten bestehen, die es nicht auch unter Zionisten gäbe. Jüdisches Zentrum, nationaler Aufbau, hebräische Renaissance, stärkste Förderung der Chaluziuth — das ist allen gemeinsames Ziel. Wäre dem nicht so, wäre es wirklich zutreffend, daß durch die Beteiligung der Nichtzionisten der nationale und soziale Aufbau Palästinas gefährdet würde, dann sollte man das Bündnis nicht eingehen. Dann wäre die gemischte Jewish Agency ein Verrat an der zionistischen Sache, und ich verstehe nicht, wie Beilinson trotz alledem diesen Pakt empfehlen kann. Nein, die Mitarbeit der Nichtzionisten ist nicht eine Niederlage, sondern ein deutliches Zeichen für die siegreiche Entwicklung des zionistischen Gedankens. Wenn man bedenkt, daß uns — was noch vor einigen Jahren unvorstellbar schien — früher hartnäckigste Gegner ihre Mitarbeit anbieten, daß das Wort Palästina in weitesten Kreisen der Judenheit bereitwilliges Echo findet, daß führende Nichtzionisten Reden halten, die in der ideologischen Fundierung und in ihrem ganzen Timbre fast garnicht zu unterscheiden sind von solchen zionistischer Führer2), dann sollte man anerkennen, welch erstaunlichen Fortschritt der von den Zionisten bisher allein vertretene Palästinagedanke gemacht hat. Wer in der Arbeit steht und solche „Nichtzionisten" kennen gelernt hat, weiß, daß es in höchstem Grade falsch und unangebracht ist, hier Mißtrauen zu bekunden. Auch das ist keine Niederlage und kein Eingeständnis der Schwäche, daß die Zionisten die Mitarbeit der andern nicht entbehren können. Abgesehen davon, daß Artikel 4 des Palästinamandats es der Zionistischen Organisation ausdrücklich zur Pflicht macht, die Mitarbeit sämtlicher Richtungen im Judentum zu suchen, möge man bedenken, daß ein Aufbaux) „Jüd. Rundschau" 1924 Nr. 36. 2) vgl. die Protokolle der Konferenz vom 17. Februar 1924 im Hotel Astor, „Jüd. Rundschau" Nr. 30/31 ff.

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