Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 9
- Article
- England, Arabistan und Erez-Israel
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 509 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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England, Arabistan und Erez-Israel 509 aber kein vermittelndes Volk haben wollen; weil zumal die Araber auch gegen die außerordentlichen Vorteile, die ihnen unser Kommen bietet, nicht den winzigen Teil des Bodens zurückgeben wollen, den wir als Erbe bedingungslos beanspruchen müssen. Es wird uns schwer sein, das neue Verhängnis wieder auf uns zu nehmen; aber wir dürfen um der höchsten Ziele willen nicht anders, und wir werden tatsächlich für lange noch notwendig Verbündete, wenn auch nimmermehr bloße Werkzeuge Englands sein. Jedenfalls hat England zugleich mit den arabischen Reichen, den nur halb sicheren Gebilden eines Nichtanders-Könnens, auch den palästinensisch-jüdischen Staat, das ganz unzweifelhaft sichere Gebilde des Anders- Wollens, geschaffen; einen gewollten Pfahl im Körper Arabistans, das absolut benötigte Großgibraltar des Ostens, mächtige Stütze Englands nach der westlichen See zu, noch mächtigere Stütze von dort aus nach dem ganzen Orient hin. Ein Werk, der Mühe der Edlen wert: und staunend hörte und erfuhr die Welt, daß wieder einmal das zeitlich mächtigste Reich der Erde dem Volke Gottes sein Land zurückzugeben versprach. VII. Man täusche sich nur nicht. Wir sind für England, in jedem Sinne gesehen, ganz einfach bloßes Mittel zum Zweck; bloßes, an sich höchst gleichgültiges und im Notfalle wieder abzuschüttelndes Mittel zu einem höchst ungleichgültigen, überhaupt nicht mehr abschüttelbaren, weil äußerst vitalen Hauptzweck: dem Zweck der Beherrschung des Orients durch die britische Seemacht. Damit — insbesondere gegenüber dem im gewissen Sinne „leer" aus dem Kriege gegangenen Amerika — das enorme Anwachsen der englischen Weltgeltung nicht allzu kraß unterstrichen werde, begnügte man sich zunächst mit der Rolle des Mandatars; weil Palästina für eine direkte Kolonisierung zu wenig geeignet ist — gegenüber den reichen Kolonien erster Bonität nämlich — überließ man dort die Kolonisation großmütig der darnach wahrhaft schmachtenden Judenheit; weil man ein Gegengewicht gegen das vielgestaltige und vielköpfige, bald vielleicht sehr gefährliche Arabertum brauchte, überließ man die Kolonisation Erez Israels den Juden sogar sehr gerne; weil man vor den Arabern naturgemäß weit größere politische Befürchtungen hegt — vor den Juden braucht man dagegen gar keine zu haben: selbst unfreiwillig können und müssen wir als Helfer der englischen Politik wirken — umgab man diese Kolonisation mit allen möglichen Kautelen, die je nach der Stärke des Auftretens der arabischen Opposition (d. h. der wirklichen, aktiv von breiteren Schichten ausgehenden, nicht der durch Presse und Mund breitgetretenen der Effendis und Agitatoren) verstärkt werden mußten oder wieder abgeschwächt werden konnten. England hat zwar ein hohes Interesse daran, die ihm durch politische Notwendigkeit völlig gefügige jüdische Kolonisation möglichst zu fördern, die unbezweifelbar — weil aus politischen Gründen auch unabwendbar —