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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 505

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
England, Arabistan und Erez-Israel
Date
1924-01-01
Page
505 (sequence 9)
Language
German
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England, Arabistan und Erez- Israel 505 V. Für den Engländer ist der neue Freiheitsdrang des gesamten Arabertums einfach Rebellion: und ob gelegentlich eine labouristische Fassade solche völlig konservative Grundanschauung übertüncht, England kann seiner ganzen Mentalität nach nicht anders denken. Zu dem ägyptischen und indischen Nationalismus wird einfach nun auch der arabische hinzukommen — die Komplikation durch das Fehlen der offiziellen staatlichen Bindung der neuen arabischen Gebilde an England ist nicht entscheidend. Zunächst war es notwendig, um festen Fuß in Großarabien zu fassen, die neuen Reiche ganz außerordentlich zu unterstützen, sie von Grund aus mit aufzubauen. Jetzt hat man dort nun so ziemlich festen Fuß gefaßt — keine sonstige Macht war dabei mit am Werke. So betrachtete man denn die halb aufgebauten Länder als neue Domäne der englischen Kolonialbetätigung, nur unter zunächst etwas besonderen verwaltungstechnischen Verhältnissen. Ein ideales Vorland zum Schutze Indiens war anscheinend zugleich gewonnen, zudem ein auch wirtschaftlich zukunftsreiches Land. Die Gefahr eines neuen weitgreifenden Nationalismus wurde nicht sonderlich ernst genommen: waren doch die fraglichen Völker unter den Türken eigentlich ganz dozil, sind sie doch arm und können mit Geld ganz leicht regiert werden. Ein Minimum an bewaffneter Macht im Hintergrunde wird sie schon friedlich erhalten; und für den bewaffneten Hintergrund ist mit aller Entschiedenheit gesorgt —■ nicht nur an der etwas ferngelegenen indischen Grenze, sondern auch im nahen und glänzend beherrschten Palästina, für das man ja das Mandat des Völkerbundes, also eine oberste internationale Entscheidung besitzt. Durch Konzessionen an die herrschende Stimmung braucht man nur gelegentlich den Volksinstinkten zu schmeicheln, Zeit zu gewinnen; inzwischen wird die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes immer deutlicher (wenn auch nicht immer sichtbarer) zu einer politischen gesteigert, das Mittel der penetration pacifique in bewährten Gestalten angewandt — das Land bleibt sicher, und der Gedanke an die vielen Vorteile, die England bringt und bringen kann, wird das phantastische Streben nach längst entschwundener Macht allmählich lächerlich erscheinen lassen. So wurde denn seit Jahren nach traditionell gewordenem Schema gehandelt. Die Konzessionen Englands an das Arabertum aufzuzählen, möchten wir uns hier ersparen. Eine sei nur besonders erwähnt, weil sie zum erstenmal zeigte, daß England die wahre Situation zu spät erkannt hatte: nämlich die seinerseitige Einschränkung der jüdischen Immigration nach dem Jaffaer Progrom. England hat im ersten Moment nachgeben müssen, es hat in jenem Moment erkannter eigener Schwäche einfach gegen sein klares Interesse gehandelt, um wenigstens Zeit zu gewinnen und zu sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Es schien auch eine Zeit lang wieder ein gewisses Gleichgewicht eingetreten zu sein; das eben erst anfangende Arabertum kann natürlich auch nicht daran denken, jetzt schon, ohne mögliche Unterstützung seitens irgendwelcher an-

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