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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 503

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
England, Arabistan und Erez-Israel
Date
1924-01-01
Page
503 (sequence 7)
Language
German
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England, Arabistan und Erez-Israel schien die Gründung der neuen Reiche als kluges und ungefährliches, ja als immens aussichtsreiches Unternehmen zu empfehlen: würden doch die neuen Vasallenstaaten, dem Weltreich sachte immer näher gebracht, dieses Weltreich erst richtig abrunden, den uralten Gegensatz Ägypten-Asien erst eigentlich überbrücken, von Ägypten nach Indien eine neue Brücke der Macht und des Reichtums für das große Imperium schlagen. Mit der Gründung der neuen arabischen Staaten hat England sich neue Kronen aufgesetzt, neue Länder — zunächst nur andeutend — einverleibt. Hat es dies wirklich? Hier entstand die problematischste Lage, wie sie heute immer stärker deutlich wird, und bei der man nicht umhin kann auszusprechen, daß Albion sich diesmal in einer Weise geirrt hat, wie selten früher in der Geschichte der Entfaltung seiner Macht. Wir wüßten kein anderes Beispiel anzuführen als das der verkehrtesten seinerzeitigen Behandlung seiner kostbaren nordamerikanischen Kolonien, der heutigen Vereinigten Staaten, die mit deren Verlust endete und die bisher wohl schmerzlichste Erfahrung des großen Imperiums gebildet hat. Man kann über die künftige Entwicklung der politischen Machtverhältnisse im Orient gewiß nur sehr schlecht irgendwelche Prophezeiungen wagen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß die von England inaugurierte Begründung eines föderativen Arabistan, das ja jetzt latent in die Erscheinung getreten ist, den ersten Schritt zum wirklichen Verlust Ägyptens und Indiens bedeutet: denn der Orient von heute ist nicht mehr derjenige vor dem Kriege. Selbstverständlich hat England nie daran gezweifelt, daß es nur gegen die Irredenta einer sehr starken und sehr einflußreichen nationalen Minderheit festen Fuß in den arabischen Ländern zu fassen imstande sein werde. Als zu einer Zeit, da das Selbstbestimmungsrecht der Völker plötzlich sich als sehr vitale Realmacht erwies, da es die Sieger des Weltkrieges dünkte, Befreier von Völkern zu sein, sei ein politisch recht lohnendes und vielversprechendes Ziel: als zu dieser Zeit England gezwungen war, die neuen arabischen Reiche anzuerkennen, deren Gründung allein zunächst wieder eine gewisse öffentliche Ordnung im südwestlichen Asien herstellen konnte, da hatte es bereits die Balfourdeklaration herausgegeben, durch die der deutlich anrückenden arabischen Drohung von vornherein ein gewisses Gegengewicht an die Seite gestellt werden sollte. Ganz ohne Zweifel hatte *nan dabei englischerseits die Kraft des arabischen Volkswillens sehr beträchtlich unterschätzt; es ist möglich, daß die Balfourdeklaration kaum in ihrer so feierlichen und so festlegenden Form zustande gekommen wäre, hätte man voraussehen können, wie stark die ausgelöste arabische Gegenbewegung sein würde — und aus diesen Gründen wurde ja ihre offizielle Proklamierung in Erez-Israel selbst so lange hinausgezögert, bis ein Entweder-Oder schließlich zu einem Entschluß zwang. England hatte die psychischen Folgen der russischen Revolution eben nicht vorausgesehen und nicht mit eingerechnet. Es konnte nicht ahnen, daß seine eigenen Kreaturen, daß nur durch seine mächtige Hilfe zur Macht

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