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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
England, Arabistan und Erez-Israel
Date
1924-01-01
Page
502 (sequence 6)
Language
German
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502 Herman Glenn: Auf den Trümmern der einstigen türkischen Macht hat jedenfalls vorläufig das einzige Volk das Erbe übernommen, das in der mohammedanischen Welt dafür noch in Betracht kam, unter der türkischen Oberhoheit aber niemals dazu gelangt wäre: die Araber. Kein Kenner des Orients wird es nun wagen, das Vorhandensein schöpferischer Kräfte in der arabischen Nation völlig zu leugnen, am wenigsten die Engländer, die noch die Erscheinung des Mahdi genau in Erinnerung haben und wissen, welch primitiven Kräfte in den Erben jener glorreichen Vergangenheit schlummern, deren Macht einst von der Provence bis nach Hinterindien hinüberreichte, deren geistige Macht heute noch mit ihren Überresten das ganze nördliche Afrika und das angrenzende Asien beherrscht. Und dennoch: eigentliche kulturbildende Kraft hat das Arabertum der letzten Jahrhunderte nur nach unten gezeigt, durch Bewältigung und Missionierung afrikanischer Stämme — und diese Entwicklung ist heute noch lange nicht abgeschlossen. Nach der eigentlichen Kultursphäre des Nordens und Westens hin hat das Arabertum aber längst die Rolle der reinen Passivität übernommen. Die wenigen Aufstände gegen die Türkei, gelegentlich gegen England, zeugten zwar noch vom Vorhandensein eines völkischen und religiösen Willens — aber auch von den sehr begrenzten Möglichkeiten dieses Willens und, das Wichtigste, von einem durchaus begrenzten geistig-kulturellen Können. Und als die erste Liquidation des ersten Weltkrieges eine Reihe von arabischen Staaten mit erstehen sah, mußte von objektiv forschender Seite die Frage gestellt werden, ob hier wirklich echte, dann aber in der Zukunft für Europa hoch gefahrdrohende Machtgebilde geformt wurden oder nur als Übergang gedachter bloßer Schein. Geformt aber wurden jene Gebilde offenbar durch die restlos bestimmende Einwirkung von außen her, durch den nicht etwa bloß erzwungenen Willen Englands. IV. Eine genaue Analyse dessen, was England mit der nach einigem Zögern zugestandenen Errichtung arabischer Staaten zwischen Ägypten und Indien alles verfolgt hat oder hat verfolgen müssen, ist aus dem Grunde nicht so einfach, weil im Laufe einer verhältnismäßig kurzen Zeit die Ereignisse sich allzusehr überstürzten, die jeweiligen Entschlüsse sich dabei auch aus zum Teil sehr verschiedenen Lagen und Stimmungen herausgebildet haben. An sich wollte England nach ihm wohlbekannten, autogenen Mustern —• das doch ebenfalls arabische Zanzibar etwa gab nicht gerade zu besonderen Bedenken Anlaß — einige Scheinstaaten mit schwächlicher, absolut vom europäischen Protektor abhängiger, pseudo-autonomer Verwaltung schaffen, die zunächst das liquidierte südliche Erbe des türkischen Reiches vor sonstigem Zugriff bewahren sollten: Syrien war ein deutliches Zeichen, was sonst drohte und kommen mußte; der Weg nach Indien durfte aber einer anderen europäischen Macht als England auf keinen Fall zugänglich gemacht werden. Die jahrhundertelange kolonisatorische Erfahrung

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