Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 9
- Article
- England, Arabistan und Erez-Israel
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 500 (sequence 4)
- Language
- German
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500 Herman Glenn: von ihr die Rückkehr zu den für ihn unerträglichen früheren Besitzverhältnissen wieder befürchten mußte. Zudem waren jene feudalen Schichten, die nun die große Prüfung des Weltkrieges nicht bestanden hatten und in Scharen das Land fliehen mußten, eigentlich gar nicht national-russisch: sie entsprangen einem gemischten Adel von teils normannischer, teils tartarischer Herkunft, so daß hier die Revolution zugleich die Befreiung von einem national fremden Joch, von einer Fremdherrschaft bedeutete — und hierin liegt vielleicht, neben dem Erdwillen der Bauern, der zweite Hauptgrund für die Aussichtslosigkeit einer Restauration im großen Ostreiche. Aber durch diese Momente wird das neue Rußland auch mit Urgewalt nach einer Politik hingetrieben, die schließlich absolut national, also russisch-national, ausfallen muß; trotz scharfer Betonung der internationalen Momente, die bei der heutigen Überspannung der Gegensaiten noch lange ihren geschichtlichen Sinn besitzen und behalten werden, hat sich dieser nationale Grundton des neueren Rußland seither immer stärker vertieft. Der Weg nach Westen ist für diese immer bewußtere Entwicklung jetzt noch fast hermetisch versperrt: um so stärker ist ihre Einwirkung auf den gesamten Osten, auch auf den Vorderen Orient, zu spüren. Das Auftreten Rußlands bleibt freilich nach dem Osten hin aus zwingenden Gründen rein revolutionär, übernational, ökumenisch; den Völkern des Orients wird ihre Freiheit auf Sozialrevolutionären Grundlagen — der einzig möglichen gemeinsamen Ideologie einer wirtschaftlich noch weit zurückstehenden Gesellschaftsform — gepredigt und versprochen; diese Völker aber nehmen zum großen Teil willig die Predigt ihrer Freiheit auf, ohne sich um die Sozialrevolutionären Grundlagen, für die sie nur ein halbes Ohr haben, sehr viel zu kümmern. Selbst immer stärker einem ausgeprägten Nationalisierungsprozeß unterworfen, wirkt so die russische Revolution auf die Psyche der anderen, vor allem der orientalischen, Völker nicht nur revoltierend, sondern in einem eigentlich noch weit stärkerem Maße nationalisierend: die nationalen, nicht die sozialen Leidenschaften werden entfacht, und im Verein damit haben die durch den großen Krieg eröffneten Perspektiven mit beispielloser Geschwindigkeit zu einer spezifischen Erweckung des gesamten Orients geführt, der jetzt sozusagen nur noch auf seine entscheidende Stunde wartet. III. *** Die Völker des Orients haben aus* dem russischen Vorbild in erster Linie etwas bis dahin Ungesehenes herausgelesen: nämlich die Möglichkeit, in einem Moment der Schwäche der bestimmenden politischen Hauptgewalten der Erde, wenn diese Hauptgewalten eben aufs äußerste bewaffnet gegeneinanderprallen, entscheidende nationale Vorteile dort zu gewinnen, wo unter normalen Zeitläufen jedes Beginnen dieser Art aussichtslos sein würde. Mit dem untrüglichen Instinkt der lange Wartenden und Hassenden haben die unterdrückten Völker des Ostens erkannt, daß die Zeiten stabiler