Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Aus Israels Vergangenheit und Gegenwart
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 495 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Geschichte 495 Ausnahmefall gerankt haben. Bei den Sagen um geschichtliche Ereignisse hat sich in der letzten Zeit bei ethnologischen Forschern die Überzeugung ausgebildet, daß die wirksamste Ursache der Entstehung dieser Sagen eine historische Tatsache gewesen ist. So legendenhaft das Detail sein mag, so getreu sind oft die historischen Namen der zentralen Persönlichkeiten. Diese Grundsätze der neueren geschichtlichen Forschung sind auch von größter Bedeutung für die jüdische alte Geschichte. Peets Buch ist eine autoritative, für den Studenten unerläßliche Zusammenfassung des heutigen Standes der Forschung über die historischen und politischen Beziehungen Israels zu Ägypten. (Die Fragen kultureller Beeinflussung oder rein geistesgeschichtlicher Bedeutung bleiben außer Betracht.) Infolge seiner klaren Darstellungskunst sei das Buch auch Fernerstehenden als die beste Orientierungsquelle über diese Probleme wie auch über viele Fragen der Ägyptologie, die ja letzthin durch neue Ausgrabungen in den allgemeinen Mittelpunkt des Interesses gerückt wurde, empfohlen. Ich will hier nur noch auf Peets Feststellungen bezüglich die Geographie des Aufenthalts der Israeliten in Ägypten und ihres Auszuges eingehen. Die in Ägypten weilenden israelitischen Stämme wohnten bekanntlich im Lande Goschen im östlichen Nildelta, das auch das WadiTumilat einschloß, dasselbe, durch das heute die Eisenbahn von Kairo nach Ismai'la führt. (Alle, die von Ägypten nach Palästina fuhren, haben diese Strecke durchfahren.) Im 12. Kap. des 2. B. M. lesen wir von den Städten Pithom, Ramses und Sukkoth. Flinders Petrie glaubte nun, das alte Ramses an der Stelle des heutigen Dorfes Teil er Retabeh im Wadi Tumilat aufgefunden zu haben. Peet weist das Unstichhaltige dieser Lokalisierung nach und schließt sich der Meinung Gardiners an, wonach das biblische Ramses mit der Hauptstadt der 19. Dynastie, dem Avaris der Hyksös und dem Pelusium der Griechen östlich vom Suezkanal identisch sei. Dafür spricht auch «he Tatsache, daß der palästinensische Thar- |Um statt Ramses Pelusium hat. Pithom, 00 &riechische Heronopolis, glaubte Naville in Tell-el-Makschuteh im Wadi Tumilat entdeckt zu haben. Gardiner dagegen verjagt Pithom einige Meilen westlicher nach lit-6r Retabeh> das Petrie für Ramses erklart hatte. Peet nimmt nun an, daß die Route des Auszugs, soweit sie überhaupt identifiziert werden kann, nördlicher lag als allgemein angenommen wird und in Pelusium anfing. Auch der Name einiger weiterer Stationen deutet auf den nordöstlichsten Winkel des Deltas, so Baal-Zachon, das auf den Norden und zugleich schon auf Grenzgebiet semitischer Beduinen deutet und Migdal, das nach ägyptischen wie prophetischen (Ezech., Jeremia) Quellen an der Nordostgrenze Ägyptens liegt. Sind aber die Kinder Israels diesen nördlichen Weg gezogen, kann das „Schilfmeer" nicht mit dem Roten Meer identisch sein, sondern nur mit einem schilfbewachsenen Wasser an der Küste des Mittelländischen Meeres. Gardiner selbst hat in den Melanges Champollion (Paris 1922, p. 231 ff.) eine Rekonstruktion des Weges versucht. Aber trotz allen Scharfsinns bleibt auch dies nur Vermutung und steht und fällt mit der Identifikation' von Ramses und Pelusium. Harold M. Wieners Buch über die Propheten verdient deswegen Erwähnung und Beachtung, weil es von einem absoluten Gegner der Bibelkritik geschrieben ist. Wiener versucht in einer konsequenten , Polemik gegen A. Kuenen das supranaturale Element in den Propheten und die Erfüllung ihrer Prophezeiungen nachzuweisen. Für Gegner der Bibelkritik mag das Buch von großem Nutzen sein. Von weit allgemeinerem Interesse ist dagegen die Neuauflage von Dr. Heinrich Cleraentz' deutscher Übersetzung der Schriften des Flavius Josephus. Übersetzung wie Werk sind zu bekannt, um näherer Einführung zu bedürfen. Mögen auch die „Jüdischen Altertümer" stellenweise für den Laien ermüdend sein, so# ist doch die Darstellung des letzten Freiheitskampfes der Juden, der lebendige Bericht einer Augenzeugen und Beteiligten, eines jener Bücher, die den Grundstock einer jüdischen Bibliothek bilden. Und über des Schriftstellers Leben und Charakter wird der Leser manche Betrachtungen anstellen, die ihn oft bis in die Gegenwart führen und ein lebendiges Band zwischen damals und heute schaffen, werden. Die Übersetzung liest sich gut, und ihr Wert wird durch die Anmerkungen sehr erhöht. Das Buch der zwei englischen Beamten in Palästina, der Herren Luke und Keith- Roach, stellt ein vorzügliches, inhaltsreiches und zugleich wissenschaftlich wertvolles Handbuch über Palästina dar. Auf die