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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 8 · p. 493

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 8
Article
Aus Israels Vergangenheit und Gegenwart
Date
1924-01-01
Page
493 (sequence 3)
Language
German
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Umschau: Geschichte 493 Stunde tiefster historischer Besinnung, bewußter Anknüpfung an die Vergangenheit Die Worte des ältesten Heldensangs, des Deborahliedes, kommen dem Sänger wieder (V. 8. 9), die Erinnerung an die Wüste erwacht wieder (wie es im Liede Mosis, Deut. 32, 10 so schön heißt: „Er fand ihn im Bereiche der Wüste, in einer öden, heulenden Wildernis, er beschützte ihn, verlor ihn nicht aus den Augen, er behütete ihn wie seinen Augapfel") und an die schöne fruchtbare Zeit im Lande: „Mit reichlichem Regen besprengtest du, Gott, deine Erde ..." (V. 10). Eine interessante Deutung gibt Cannon von dem schwer verständlichen und viel umstrittenen Vers 14. Eine Ähnlichkeit mit dem Tadel gegen Rüben, mit der bittern Ironie des Deborahliedes (V. 16) gegen den Stamm, der in Sicherheit bleibt, während die anderen in Gefahr und Kampf stehen, klingt an: „Wollt ihr zwischen den Hürden liegen? Die Flügel der Taube sind mit Silber bedeckt und ihr Gefieder mit grünglänzendem Golde". Cannon sieht darin einen Vorwurf gegen die vielen reichen Stammesgenossen, die im Zweistromlande in Sicherheit und Luxus zurückgeblieben sind, während die anderen, die Pioniere, in Mühsal den neuen Tempel bauten. Wie einst Rüben oder Gilead bleiben sie jenseits des Jordans, lassen ihre Brüder allein den harten Kampf ausfechten. So gibt uns Ps. 68 ein Bild der Gefühlswelt Israels nach dem zweiten Auszug aus der Gefangenschaft, die es in innige Berührung mit der mesopotamischen Zivilisation gebracht. Hier in Berührung mit fremder Umwelt hat Israel eine im Namen Gottes und eine Freude ob des Sieges der Gerechtigkeit (s. Vers 24, vergl. Psalm 58, V. 11 f.: „Der Fromme wird sich freuen, daß er Rache geschaut, wird seine Fußspuren waschen im Blute der Gottlosen. Und man wird sprechen: Ja Frucht wird den Frommen. Ja, es gibt Gott, der auf Erden richtet". Aber in Jesaja 42,1 ff. ist von einem anderen Wege der Gerechtigkeit die Rede: »Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird den Völkern das Recht verkünden. Geknicktes Schilf wird er nicht völlig zerbrechen, glimmenden Docht wird er nicht auslöschen; in Wahrheit wird er Gerechtigkeit verkünden." Und doch auch in dieser Zartheit keine Schwäche, keine Müdigkeit, sondern nicht ermattende Stärke: „Er wird nicht ermatten und nicht zusammenbrechen, bis er auf Erden das Recht gegründet hat____" tiefe Wandlung erfahren; in seiner Religion und seiner Sitte geändert, kehrte es zurück. Hier setzte sich in ihm jene Hoffnung auf eine neue geistige Macht fest, die es nicht mehr verlassen sollte. Von ähnlicher Wirkung, Jahrhunderte früher, war Israels Aufenthalt in Ägypten und seinAuszug aus dieser Gefangenschaft gewesen. Mit starken Lettern hat er sich in seine Geschichte geschrieben; unvergänglich eingeprägt ist es allem jüdischen Bewußtsein zu allen Zeiten gewesen, daß sein Gott für immer mit dem Auszuge aus dem Nildelta verknüpft ist. Es ist eigentümlich für dieses Volk, das die Sozialethik des Armen ausbilden sollte, daß am Beginn seiner Geschichte eine Zeit der Knechtschaft steht. Vielleicht hat auch diese Vergangenheit der Bedrückungen und Plagen und die noch vorher gehende, mühselige, von Feind und Hunger bedrohte Halbnomadenzeit mitgewirkt, daß Israels Blicke fernerhin sich immer mehr der Zukunft entgegenrichteten. Daneben aber läßt auch eine weitere Wandlung sich auf den ägyptischen Aufenthalt zurückführen: dort sind die nomadisierenden Hirten ein Volk der harten Arbeit geworden. Mit schwieligen Händen und bitteren Klagen ob der Frohn mag in diesen Stämmen damals der Geist starken Willens und reger Arbeitsamkeit entstanden sein1). Ein Nomadenvolk x) Eduard Reuß („Die Geschichte der Heiligen Schriften des Alten Testaments", Schwetschke, Braunschweig, 1881) gibt S. 33 eine Charakteristik der Semiten, die aber nur von den Beduinen gilt, doch auch seither immer wieder auftaucht. So die „gewisse Scheu vor Handarbeit" oder die „Zurücksetzung des Ackerbaues und der darauf gegründeten Formen der gesellschaftlichen Ordnung". Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß Steinstädtebau und Ackerbau mit Hilfe von Zugvieh sehr wohl semitischen (vorderasiatischen) Ursprungs sein können. Der Norden kannte meist nur Holzbauten. Eduard Hahn (zusammenfassend in „Von der Hacke zum Pflug". Quelle & Meyer, Leipzig 1914) nat nachzuweisen versucht, daß die Züchtung der ersten Haustiere und die Erfindung des Pfluges zuerst in Babylon stattfanden. R. Meringer (Indogermanische Sprachwissenschaft, Göschen, 3. A., S. 138) erwähnt, daß sich für Rind, wie für Kuh und Kalb keine gemeinsame indogermanische Wurzel findet. Die verbreitetste indogermanische Gleichung für Stier (taurus usf.) leitet Johann Schmidt (Die

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