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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 8 · p. 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 8
Article
Aus Israels Vergangenheit und Gegenwart
Date
1924-01-01
Page
492 (sequence 2)
Language
German
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492 Umschau: Geschichte kabäerzeit hinaufverlegt worden. So bestimmt Wellhausen 167 als das Entstehungsjahr und Duhm sogar eine so späte Zeit wie die Regierung des Alexander Jannaeus (104—78 v. Chr.). In den letzten Jahren hat sich gegen diese späte makkabäische Datierung der meisten Zahlen eine Reaktion geltend gemacht, man hat darin eine maßlose Übertreibung" (Cornill) gesehen. W. W. Cannon schließt sich in seiner eingehenden Untersuchung des Psalmes dem Cornill sehen Standpunkt an und zwar mit einer Reihe vortrefflicher Gründe. Den 68. Psalm versetzt er in eine Zeit des Triumphs Judas, eines Sieges JHWHs, einer Befreiung aus großem Übel. Und es muß dies eine Zeit gewesen sein, so groß, daß der Dichter einen so erhabenen Sang nicht aus eigenen Kräften zu schöpfen wußte, daß er in den Schatz überlieferten Sanges griff und aus Erinnerungen und Bruchstücken vergangener Lieder und Prophezeiungen, die uns zum Teil noch im Alten Testament überliefert sind, einen neuen Lob- und Jubelsang baute. Zugleich hat diese siegreiche Zeit, in der die Nation aus großem Leide wieder erstand, wohl bewußt an die Vergangenheit angeknüpft und dankbar der Taten der Väter und erfüllter Prophezeiungen gedacht. All diese Zitate erzählen von früheren Siegen und Heldentaten bis auf den Tag, da der Dichter ausruft: ,,Gott ist uns ein Gott der Errettungen! Ja, Gott zerschmettert das Haupt seiner Feinde!" All das legt den Gedanken nahe, daß dieser Psalm die Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft feiert. (Vers 5: „Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt" erinnert wörtlich an Deuterojesaia; ebenso Vers 7: ,,Gott, der Vertriebene in die Heimat zurückbringt, der Gefangene Das Buch enthält eine ausführliche Einleitung, die revidierte Übersetzung und kritische Noten. Es kann als Musterbeispiel für die erklärende und kritische Behandlung eines einzelnen Bibelabschnittes dienen. — T. Eric Peet ,,Egypt and the Old Testament". Hodder and Stoughton, London 1923. Der Preis des vorzüglich gedruckten und gebundenen Buches beträgt nur fünf Shilling. — Harold M. Wiener: The Prophets of Israel in History and Criticism. Robert Scott. London. 5 Shilling. — Flavius Josephus: „Jüdische Altertümer" und „Jüdischer Krieg", 3 Bde. Otto Hendel Verlag. — H. Ch. Luke und E. Keith- Roach: Handbook of Palestine. Macmillan, London 1922. befreit zu Wohlergehen"). Cannon glaubt den Zeitpunkt der Abfassung noch näher bestimmen zu können und verlegt ihn auf den Tag der Einweihung der Mauer von Jerusalem unter Nehemiah. (Nehemiah 12,27 ff.) Nehemiah erzählt von zwei Prozessionen, die bei dieser Gelegenheit zum Tempel zogen und sich beim Tempel trafen. Der Psalmist spricht im Vers 25 von den Prozessionen, denen man bei dieser Gelegenheit zusah. Gesenius in seiner Grammatik und Kautzsch in der deutschen Bibelübersetzung behandelten Halichoth als einen Plural mit Singularbedeutung, Cannon dagegen übersetzt „Prozessionen" und identifiziert sie mit den zwei Chören, von denen Nehemiah spricht. Bliebe die Richtigkeit dieser genauem Datierung auch dahingestellt, so gibt doch die Erkenntnis, daß dieser in Gefühl und Ausdruck gleich mächtige Psalm der Zeit der Rückkehr Israels aus dem Exil angehört, manche Anregung, um sich tiefer in den Prozeß der einzigartigen Geschichte des jüdischen Volkes zu versenken. Es ist dies eine Zeit großer politischer Umwälzungen und entscheidender Kämpfe zwischen Ost und West (Perser und Griechen), die das Kommen einer neuen (hellenistischen) Zivilisation vorbereiten. Israel, eben zurückgekehrt nach Palästina, bei einem Angriff Ägyptens auf Persien von Gefahr bedroht, betet: „Scheuche das wilde Tier ins Schilf zurück (Ägypten?), die Schar der Stiere samt den Völkerkälbern (griechische Hilfstruppen?). Zerstampfe, die an Silber Gefallen haben, zerstreue die Völker, die Kriege lieben." (V. 31.) Selbst an diesem Tage des Triumphes, da Jerusalem wieder seine wehrhaften Mauern hat, da eine neue Blütezeit anhebt, wird jede Identifikation dieser neuen, ersehnten Blüte mit weltlicher Macht, mit Geld und Krieg abgelehnt. Und dies nicht nur aus einem Gefühl der Schwäche heraus, denn wieviele andere kleine und kleinste „befreite" Völker haben nicht sofort dem Machtrausch gehuldigt, sondern weil eine andere, eine neue Art Macht von Irsael ausgeht. „Hinauf nach Jerusalem, um deines Tempels willen, werden Könige dir Geschenke bringen." (Vers 30.)]). Dies alles in einer J) Diese Macht ist eine Erhöhung Gottes und nicht der Menschen. Sie ist Gerechtigkeit und daher auch das Schwert der Gerechtigkeit, kein fauler Friede (Matth. 12, 36; 13,4°**» 10,34 usf.). Sie ist Fanatismus und Gewalt

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