Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 470 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101209-3109547--7230-3109606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
47o Arjeh Tartakower: des Klassenkampfes auszubauen und zu stärken. So konnten die russischen „Poale-Zion" ihren Beschluß nicht rückgängig machen, und wenn sie ihn auch später dahin modifizierten, daß der Beschluß nur die Partei als solche, aber nicht die einzelnen Mitglieder binde, so blieb es für alle Zukunft doch bei ihrer Nichtbeteiligung an den zionistischen Kongressen. Die dritte Weltkonferenz — Wien, August 1911 — und die vierte — Krakau, August 1913 — mußten nolens volens diese Stellungnahme der russischen „Poale- Zion" billigen, um so mehr, als auch in den anderen Landesparteien immer wieder Stimmen auftauchten, die eine Lösung der Beziehungen zur zionistischen Organisation verlangten. Sehr ernst wurde die Frage eine Zeitlang in der palästinensischen Partei debattiert, die auch auf der dritten Weltkonferenz zusammen mit den Russen gegen den Antrag auf zwangsmäßige Teilnahme am zionistischen Kongreß stimmte. Aber auch auf den Konferenzen der österreichischen und der amerikanischen „Poale-Zion", die treu bei der Zionistischen Organisation verblieben, wurden vereinzelte Anträge auf Nichtbeteiligung am zionistischen Kongreß gestellt. So beschloß denn die vierte Weltkonferenz nur, daß die russischen ,,Poale-Zion" ihre Stellungnahme zur Zionistischen Organisation noch einmal durchzudiskutieren hätten, worauf dann die fünfte Weltkonferenz in dieser Frage endgültigen Beschluß fassen werde. Indessen sollte der Lauf der weiteren Ereignisse die russischen ,,Poale-Zion" noch viel weiter nach links drängen. Die fünfte Weltkonferenz, die erst im Jahre 1920 zusammentrat, stand dadurch vor einer ganz anderen Sachlage. Mit Ausnahme der russischen ,,Poale-Zion" waren aber in dieser Periode alle anderen poale-zionistischen Landesparteien an der zionistischen Arbeit beteiligt und nahmen auch an den zionistischen Kongressen teil. Ihr Einfluß auf die Tätigkeit der Zionistischen Organisation ging weit über ihre zahlenmäßige Bedeutung hinaus. Allerdings gab es auch scharfe Zusammenstöße mit der offiziellen zionistischen Parteileitung. Zum zweiten Mal mußte gegen deren diplomatische Tätigkeit anläßlich der Audienz Wolfsohns bei Stolypin protestiert werden. Gegen die Leitung des Nationalfonds wurde wegen der nichtstatutenmäßigen Verwendung seiner Gelder und der ungenügenden Bekämpfung der Bodenspekulation in Palästina viel gekämpft. Im allgemeinen suchten die ,,Poale-Zion" die Tätigkeit der zionistischen Organisation für den Gedanken der Arbeiterkolonisation in Palästina nutzbar zu machen, was ihnen auch vollständig gelang. Die große Popularität des Gedankens der genossenschaftlichen Kolonisation war in erster Reihe auf ihre Propaganda zurückzuführen. Die Schaffung des Genossenschaftsfonds in Höhe von 100 000 Mark auf dem neunten Zionistenkongreß — Hamburg 1909 —• aus dessen Geldern dann in Palästina die Siedl ungsgenossenschaft Merchawjah aufgebaut wurde, bedeutete einen großen Erfolg dieser Propaganda, und tatsächlich waren auch die poale-zionistischen Landesparteien — insbesondere die Partei in Amerika — die unermüdlichsten Mitarbeiter bei der Sammlung der Gelder für diesen Fonds. Auf dem zehnten Zionistenkongreß — Basel 1911 — und dem elften — Wien 1913 — wurde von der Permanenzkommission des Kongresses der poale-zionistischen