Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 471 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 47i Fraktion ein Sitz im Aktionskomitee der Zionistischen Organisation angeboten, jedoch nahmen die „Poale-Zion" beide Male den Antrag nicht an, da sie keine Verantwortung für die Tätigkeit der zionistischen Parteileitung tragen wollten. Erst Anfang 1914 kam zwischen der zionistischen Exekutive und dem Verbandsbureau der „Poale-Zion" ein Vertrag zustande, wonach ein Vertreter des Verbandsbureaus an den Sitzungen des Aktionskomitees zwecks Information mit beratender Stimme teilnehmen solle. Der Vertrag wurde durch die Abstimmung der Zentralkomitees der einzelnen Landesparteien bestätigt, wobei sich das russische Zentralkomitee der Stimme enthielt. So blieb es auch bis zum Ausbruch des Weltkriegs. Indessen tauchte bei den ,,Poale-Zion" bereits kurze Zeit nach der Gründung des Weltverbandes der Gedanke auf, daß man sich nicht einzig und allein auf die Tätigkeit der Zionistischen Organisation verlassen dürfe, sondern danach streben müsse, mit eigenen Kräften das sozialistische Siedlungswerk in Palästina aufzubauen. Die eifrigsten Verfechter des Gedankens waren naturgemäß die russischen „Poale-Zion", die ja die Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation überhaupt ablehnten, und in deren Parteipresse der Gedanke der Schaffung eines Arbeiterfonds zum Zwecke der sozialistischen Kolonisation Palästinas schon im Jahre 1907 —durch Ra* chel Goldin in der 3. Nummer des „Vorwärts" — ausgesprochen worden war. D^ch wurde er erst Sommer 1909 vom Verbandsbureau verwirklicht und hierauf die Statuten des so entstandenen Palästina-Arbeiterfonds — P. A. F. — von der 2. Weltkonferenz einstimmig genehmigt, die auch die erste Zentralverwaltung wählte. Es sollte ein Fonds zur Förderung der Arbeitereinwanderung und Arbeiterkolonisation werden, der unter einer selbständigen, aber vor der Weltkonferenz verantwortlichen Zentral Verwaltung stand. Die praktische Tätigkeit in Palästina sollte nach Erreichung einer bestimmten Höhe aufgenommen werden. Der Sitz der Zentralverwaltung blieb bis zum Ausbruch des Weltkriegs Wien. Im allgemeinen waren die Einkünfte des P. A. F. in jener Periode trotz der rührig geführten Agitation nicht sehr groß. Das jährliche Budget bewegte sich zwischen 3000 bis 4000 Kronen. Die angesammelten Summen betrugen bis zum Ausbruch des Weltkriegs kaum viel mehr als 20 000 Kronen, bis zur vierten Weltkonferenz 16 600 Kronen. Doch wurde versucht, auch mit diesen Summen praktische Arbeit zu leisten. Laut Beschluß der dritten Weltkonferenz — die zugleich eine Teilung des Verbandsbureaus in ein europäisches und ein palästinensisches Sekretariat mit sich brachte — wurde aus den Mitteln des P. A. F. ein Informationsbureau in Palästina ins Leben gerufen, das Mitte des Jahres 1912 endgültig organisiert wurde und eine im Verhältnis zu seinen geringen Mitteln ziemlich rege Tätigkeit entfaltete. Es wurde versucht, der Arbeitslosigkeit in Palästina durch einen weitverzweigten Informationsdienst zu steuern, wodurch alle sich darbietenden Arbeitsgelegenheiten ausgenützt werden konnten. Das Bureau ging aber auch daran, neue Arbeitsgebiete und Arbeitsformen zu schaffen. So wurden einige — allerdings meist wenig gelungene — Versuche gemacht, Arbeitergenossenschaften in den Städten — von Maurern, Tischlern und unquali-