Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 468 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Arjeh Tartakower: zu arbeiten, und auch in ihr gab es deswegen ständige und schwere Kämpfe. Vom „Bund" wurde die zionistische Bewegung seit dem ersten Augenblick ihres Entstehens auf das schärfste bekämpft. Bereits auf der vierten Delegiertenkonferenz im Jahre 1901 wurde erklärt, daß der Zionismus eine Utopie sei, die den Chauvinismus fördere und den Interessen der Arbeiterklasse schade, daher auch in allen ihren Erscheinungen zu bekämpfen sei. Dieser Beschluß wurde fortan fast auf jeder Konferenz wiederholt und steigerte sich auf der sechsten Konferenz sogar bis zu der Formulierung, daß man den Kampf gegen den Zionismus mit allen möglichen Mitteln auszutragen habe. Man gelangte im „Bund" rasch zu der Erkenntnis, daß Zionismus und Bundismus zwei ganz verschiedene und diametral entgegengesetzte Anschauungen der jüdischen Frage bedeuten, für die es nur Kampf auf Leben und Tod geben könne. So sollte denn das Verhältnis des „Bund" zum Zionismus nie ein besseres werden. Aber auch die Sejmisten und die S. S. verhielten sich dem Zionismus gegenüber schroff ablehnend und sahen in ihm im besten Fall eine kleinbürgerliche Ideologie, mit der die Arbeiterschaft nichts gemeinsam habe. Ganz anders war die Sachlage bei den „Poale-Zion". Die Bewegung als solche war aus der allgemeinen zionistischen Bewegung hervorgegangen und blieb sich des Zusammenhanges mit ihr sehr wohl bewußt. Das Wichtigste, was sie mit der Zionistischen Organisation verknüpfte, war die Palästinaarbeit. In dem Augenblick, wo die Zionistische Organisation zur praktischen Tätigkeit in Palästina überging und diese Tätigkeit in der Hauptsache der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zugute kam, waren naturgemäß die „Poale- Zion" sehr daran interessiert, Einfluß auf sie zu gewinnen. So sahen sie denn ihre Aufgabe in der Zionistischen Organisation darin, sie im demokratischen Sinne zu beeinflussen, ihre Palästinatätigkeit zu kontrollieren und ihre Richtung mitzubestimmen. Folgerichtig wurde auch auf der I. Weltkonferenz — Haag 1907 — der Beschluß gefaßt, als eine selbständige Föderation innerhalb der Zionistischen Organisation zu bleiben. Seit dem 8. Zionistenkongreß — Haag 1907 — gab es auf allen Kongressen eine eigene — wenn auch zumeist kleine — „Poale-Zion"-Fraktion, und auf diesem Kongreß wurden auch die „Poale-Zion" als eine selbständige Föderation anerkannt. Indessen ging die Parteidisziplin in dieser Beziehung bald in die Brüche. Die russischen „Poale-Zion", deren Verbindung mit der Zionistischen Organisation in Rußland von Anfang an sehr lose war und die offen erklärten, daß sie ihre Tätigkeit mit der des bourgeoisen Zionismus nur in jenen Fragen verbinden würden, die die reale Arbeit in Palästina betreffen, sowie, daß sie sich dem zionistischen Kongreß in allen Fragen, die Bezug haben auf die Organisierung des Proletariats und seinen Klassenkampf in der Galuth und in Palästina, nie unterwerfen würden, beschlossen bereits auf ihrer Parteikonferenz in Krakau im Jahre 1909, aus der Zionistischen Organisation auszuscheiden und sich an den Wahlen zum zionistischen Kongreß und damit am Kongreß selbst nicht zu beteiligen. Dieser Beschluß, der in der ganzen poale-zionistischen Welt peinliches Aufsehen erregte und von den anderen Parteien—insbesondere von