Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 467 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 467 gemeinsam mit dem Jüdischen Nationalen Arbeiter-Verband, im Jahre 1910 gegründet. Bis zum Jahre 1913 gab es ihrer bereits 12 in den verschiedensten Städten der Vereinigten Staaten und Kanadas mit zusammen 1000 bis 1200 Schülern. Doch waren die Schulen bloß als Ergänzungsschulen zu den allgemeinen Volksschulen gedacht, bestimmt, die Kenntnisse der jiddischen und hebräischen Sprache und Kultur unter den Kindern zu fördern. Der Unterricht fand mit sehr geringen Ausnahmen bloß an zwei Tagen in der Woche — Samstag und Sonntag — statt und umfaßte in der Hauptsache jiddische und hebräische Sprache und Literatur, jüdische Geschichte, jüdische Religion, soweit sie kulturgeschichtlich von Bedeutung war, und jiddischen Folklor. Im Jahre 1914 wurden alle diese Schulen zu einer Organisation zusammengefaßt. Doch zeigten sich bereits bei dieser Gründungskonferenz — April 1914 — bedeutende Differenzen der Anschauungen. Die Opposition verlangte die vollständige Abschaffung einerseits des Unterrichts in Religion, anderseits des Hebräischen, um so zum reinen Typus der jiddischen weltlichen Schule zu kommen. Indessen gelang es ihr nicht, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Schaffung der national-radikalen Schulen wurde in der ganzen jüdisch - sozialistischen, insbesondere in der „Poale- Zion" - Welt mit großem Enthusiasmus als Anfang eines jiddischen Volksschulwesens begrüßt. Doch blieb dieser Versuch bis zum Ausbruch des Weltkriegs vereinzelt. Erst die Kriegsjahre, sowie die ersten Jahre nach dem Abschluß des Weltkriegs, sollten den großen Aufbau des jiddischen Volksschulwesens im Osten Europas durch die jüdischen sozialistischen Parteien und seinen weiteren Ausbau in Amerika bringen. Aus der Tätigkeit der jüdischen sozialistischen Parteien im inneren jüdischen Leben wäre noch die breite Erörterung der Emigrationsfrage, sowie die Bemühungen für einen jüdischen Emigrationskongreß zu erwähnen. In erster Hinsicht wurde, abgesehen von der selbstverständlichen Forderung der Organisierung der jüdischen Emigration, um die Emigranten vor Ausbeutung zu schützen, noch die Demokratisierung der Emigrantenfürsorgeeinrichtungen, insbesondere aber die Koordinierung der demokratischen und der philanthropischen Bestrebungen gefordert. An den Vorarbeiten zur Einberufung eines jüdischen Emigrationskongresses nach Wien waren in der Hauptsache die S. S. beteiligt, obwohl es an Versuchen nicht mangelte, auch die anderen jüdischen sozialistischen Parteien zur Mitarbeit heranzuziehen. Indessen scheiterte der Plan, obwohl oder vielleicht gerade darum, weil er die Unterstützung der führenden Manner der Wiener Kultusgemeinde genoß. Der Kongreß wurde immer wieder vertagt, und schließlich gab man im Jahre 1913 den Gedanken gänzlich auf. Ein ganz eigenartiges Kapitel in der Geschichte der jüdischen sozialistischen Parteien bildet ihr Verhältnis zur zionistischen Bewegung, mit der sie sich alle als mit der in der jüdischen Gasse stärksten und das judische Leben am mächtigsten beeinflussenden Bewegung auseinandersetzen mußten. Doch machte nur eine einzige der jüdischen sozialistischen Parteien, die »Poale-Zion«, den Versuch, mit der Zionistischen Organisation zusammen 30*