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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 8 · p. 463

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 8
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
463 (sequence 9)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 463 blieb, unter dem Einfluß der „Poale-Zion" stand. Diese Aktion führte in vielen Fällen zu Streiks und Boykotts. Besondere Beachtung wurde, insbesondere seitens der „Poale-Zion", der Frage der jüdischen nationalen Autonomie in Österreich geschenkt, die ja auch nur auf politischem Wege erkämpft werden konnte. Die gründliche wissenschaftliche Erörterung und Klärung dieser — insbesondere im alten Österreich — so brennenden Frage ist einem der Führer der österreichischen Poale-Zion, Dr. Max Rosenfeld, zu verdanken. Die Partei selbst sprach sich auf zwei Parteitagen, dem vierten, 1907, und dem sechsten, 1912, für diesen Gedanken aus. So trug denn die lebhafte politische Tätigkeit der jüdischen sozialistischen Parteien in Österreich viel zu ihrer Popularisierung bei und verlieh ihnen einen weit über ihre Mitgliederzahl hinausgehenden Einfluß auf das allgemeine und auf das jüdische Leben des Landes. Im engen Zusammenhang mit dieser politischen Tätigkeit stand der Kampf der jüdischen sozialistischen Parteien in der jüdischen Gasse um Durchsetzung ihrer Postulate. Der Zusammenhang war allerdings ein verschiedener. In Amerika, England, Rußland — in der Reaktionsperiode — und in Palästina zwang sie eben die große Ohnmacht der jüdischen sozialistischen Parteien, die ihnen keinen Einfluß auf das politische Leben im Lande ermöglichte, zur Ablenkung ihres Interesses auf die spezifischen Fragen des inneren jüdischen Lebens. In Österreich hingegen stand das politische Leben mit dem jüdischen in so enger Verbindung, daß eine reinliche Scheidung der beiden Tätigkeitsgebiete oft ganz unmöglich war. Der Kampf um die Demokratisierung des allgemeinen Lebens mußte auch den Kampf um die Demokratisierung der jüdischen Gemeinde nach sich ziehen; der Kampf um die Gleichberechtigung der jiddischen Sprache machte das jüdische Kulturproblem aktuell; im Zusammenhang mit der Frage der nationalen Minoritätenschulen tauchte auch die Frage des Wesens und der Organisation der jüdischen nationalen Schule auf. So ging denn die allgemeine politische Tätigkeit der jüdischen sozialistischen Parteien mit dem Kampf um Durchsetzung der sozialistischen Losungen in der jüdischen Gasse Hand in Hand. Um zwei Grundfragen drehte sich die Tätigkeit der jüdischen sozialistischen Parteien in allen Ländern: um die Frage des inneren Aufbaus und der Organisation der jüdischen Gemeinde einerseits und andererseits um das jüdische Kulturproblem und die damit im Zusammenhang stehenden prinzipiellen und organisatorischen Fragen. Was nun die jüdische Gemeinde betrifft, so wurde zunächst der Kampf um ihre Demokratisierung, Säkularisierung und Nationalisierung aufgenommen. Die überall in den jüdischen Gemeinden bestehende Herrschaft der Plutokratie sollte durch die Herrschaft des Volkes abgelöst, und zugleich die Gemeinde a^s einem religiösen in ein nationales Organ umgewandelt werden. Dies bedeutete in erster Reihe die Forderung des freien Wahlrechts in dei* jüdischen Gemeinden, der Abschaffung eines jeden Zensus, ins* besondere des Vermögenszensus, und der Demokratisierung des inneren

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