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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Wertung des Alters im Judentum
Date
1924-01-01
Page
415 (sequence 4)
Language
German
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Zur Wertung des Alters im Judentum 415 sondern Gottes Weisheit gegen menschliches Wissen1). Und gerade er widersteht der Aufforderung seines Weibes, doch Gott zu lästern und damit seinem nicht mehr lebenswerten Leben ein Ende zu erzwingen2), mit der tapferen Einsicht, daß alles Böse ganz ebenso von Gott komme wie das Gute3); und gerade er auch wird mit dem Worte gekrönt: „Und es starb Hiob alt und satt an Tagen"4). Wir dürfen also festhalten, daß die Bibel dem Greise eine ganz außerordentliche Wertschätzung erweist und können uns mit den hier beigebrachten Belegen um so eher begnügen, als sogar Rabbi Schimon ben Jochai uns bezeugt, daß Gott nicht an einer und nicht an zweien, sondern an sehr vielen Stellen den Greisen Ehre zugeteilt habe. Nach ihm nieint der Midrasch, daß Israel ohne seine Alten ebensowenig gehen könne, wie die Vögel ohne Flügel zu fliegen vermögen"5). So sehen wir hier die mündliche Lehre in voller Übereinstimmung mit der schriftlichen. Diese Wertschätzung des Greisenalters aber ist nun — und das ist die erste Beobachtung, die uns tiefer in den Sinn der hier vorliegenden Konzeption hineinführt — keineswegs an die Erhaltung der biologischen Vollwertigkeit oder auch nur der Rüstigkeit gebunden. Das bezeugt schlagend die Glücksprophezeiung des Propheten Secharja, der mitten in ein messianisch leuchtendes Zukunftsbild die für Nichtjuden sicher höchst sonderbare Verheißung hineinstellt: „So spricht der ewig Seiende, der Heerscharen (Herr): Noch werden sitzen Greise und Greisinnen in den Straßen Jerusalems; jeder seinen Stab in der Hand vor der Menge der Tage"6). Hiermit kommen wir zu ' der eigentlichen Frage: was bedeutet diese Wertung des Alters im Ganzen des monotheistischen Systems? Eine erste Antwort gibt uns die Bemerkung des halachischen Midrasch zu dem Vers aus Exodus, von dem wir als erstem ausgegangen sind. Der Sifrah zur Stelle bemerkt: „Man hätte meinen können (nämlich, wenn nur: „graues Haupte, nicht auch „Greis" in dem Vers stände) auch vor einem Greis, der ein Sünder ist (sollst Du aufstehen); deshalb steht (noch ausdrücklich:) Greis; das ist jemand, der Weisheit erworben hat"7). So ist ein erster Halt gewonnen: der Greis erscheint als möglicher Träger der religiösen Weisheit, deren lebendiger Besitz vor Sünde schützt, ähnlich wie schon die Sprüche Salomonis die Prachtkrone des Alters auf dem Wege des Rechthandeln (Zedakah) finden lassen.8) Wenn wir, was wir müssen, dieses Wort aus den Sprüchen x) Hi. 12,13 ff. 2) Hi. 2, 9. 3) Hi. 2, 10. 4) Hi. 42, 17. Bemerkenswert bleibt noch, daß auch Elihu die Skepsis Hiobs gegenüber der Weisheit des Alters teilt. Nachdem er erst als Jüngster nicht hat reden wollen (Hi. 32, 4 ff.)., entschließt er sich dann doch dazu, da ihm die Reden der Greise nicht genügen. Seme Formu-, herung (in 32, 7) klingt an die gegenteilige Mahnung Mosis (Deut. 32,7)- 30 stark an> daßfest an eine bewußte Polemik zu denken ist. . 5) Wajikra rabbah 11. Vgl. auch zur Ehrung, die der Jüngere dem Alteren schuldig ist Jerus-' Keth- *a. Vgl. noch Babli. Meg. 28a. *) Sech. 8, 4. ) Vgl. auch Sotah 3a, 8) Prov. 16, 31.

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