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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Wertung des Alters im Judentum
Date
1924-01-01
Page
414 (sequence 3)
Language
German
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414 Ernst Simon: ich bin der Ewige", der, wie derThalmud1) zu einem der unmittelbar folgenden Verse bemerkt, bei all den Geboten steht, die „dem Herzen überliefert" sind, d. h. deren wahrhafte Befolgung die im Gewissen des Menschen ewig fließende Rechtsquelle zur Voraussetzung hat. Aber schon vorher, noch ehe man auf diese ausdrückliche Vorschrift stößt, schon auf den ersten Blättern des Buches der Schöpfung wird unmittelbar deutlich, wie wesentlich und wertvoll für die Thbrah ein hohes Alter ist. Wir wissen nicht viel von jener ersten Epoche der Menschheitsgeschichte, die zwischen dem ersten und dem zweiten Sündenfall, auf den dann die Reinigungsflut folgte, verlief und auf der, trotz des ersten Sündenfalls, der den Menschen erst als Menschen, als raum-zeitliches Wesen konstituierte, doch noch ein Abglanz des verlorenen Paradieses lag. Aber etwas wissen wir von ihr: daß ihre Menschen uralt geworden sind, gleichsam als ob es hier einmal eine quantitative Vermittlung zwischen Gottes Qualität der Ewigkeit und der Begrenztheit des irdischen Daseins, übergangsweise, gegeben habe. Und auch später noch, als nun diese menschliche Welt noch einmal gegründet und von Gott durch seinen Bund mit ihr dem Gesetz dieses Bundes übergeben ist, das auch er nicht mehr zu durchbrechen verspricht, selbst jetzt noch, nachdem keine Riesen mehr aus dem Bunde der Erdentöchter mit herabgestiegenen himmlischen Wesen erstehen, selbst in dieser reinlich abgeschiedenen Welt erreichen die Menschen noch ein ungeheures Alter. Zwar wissen sie nun schon von dessen Gebrechen und natürlichen Folgen, wie gerade aus der Ausnahme der späten Mutterschaft Sarahs deutlich wird, aber sie leben doch weit über uns gewohnte oder dem späteren Psalm2) vertraute Jahre hinaus und sterben dann: ,,in gutem Greisenalter"3), „alt und gesättigt"4), „gesättigt mit Tagen"5). Wir sehen sie in Frieden scheiden, weil sie so lange weilen durften. Im Grunde findet sich in der ganzen Schrift gegen diese Hochwertung des Alters, die — wie gleich zu zeigen sein wird — mit einer großen Schätzung seines Rates und seiner Einsicht verbunden ist, eigentlich nur ein ernsthafter und leidenschaftlicher Widerspruch, wenn wir von der mehr dialektischen Gegenüberstellung weiser Jugend und törichten Alters, die Koheleth6) vornimmt, hier mit Fug absehen dürfen. Dieser Rebell ist niemand anders als H i o b , der — nach einem Worte desThalmud7) —auch ein Rebell „gegen oben", gegen Gott war. Aber auch er richtet seine rethorische Frage: „Ist denn bei Greisen Weisheit, ist denn langes Leben schon Einsicht?"8) nicht gegen den ältesten der Freunde, den weisen Eliphas, sondern gegen den jüngeren Zohar, auch er spielt nicht etwa die Jugend gegen das Alter aus? *) B. m. 59a. 2) Ps. 90,10. 3) Gn. 15, 6. *) Gn. 25, 8. 5) Gn. 35, 29. «) Kah. 4,13. 7) B. b. 16a. 8) Hiob 12,12.

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