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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Wertung des Alters im Judentum
Date
1924-01-01
Page
413 (sequence 2)
Language
German
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Zur Wertung des Alters im Judentum 413 aus der prinzipiellen Ungeklärtheit der Alterswertung im nichtmonotheistischen System: das macht sie uns bedeutsam. Seit Hegel hat die Zersetzung der communis opinio in bezug auf das Alter weitere Fortschritte gemacht. Zu nennen ist da vor allem, seiner symbolisch-unbewußten Wirkung wegen: Stefan George und die nicht zufällig vielfach mit ihm in Zusammenhang stehende europäische Jugendbewegung, zu der natürlich auch die sogenannte jüdische zu zählen ist. Wer Georges Gedichtwerk kennt, der wird keine eigentliche Entwicklung von Lebensphase zu Lebensphase bemerken können, sondern vielmehr vor dem ganz anderen Phänomen stehen: daß jeweils jedes Lebensstadium sich in abgeschlossener und ruhender Vollendung darstellt. Wir erblicken den vollendeten Knaben, Jüngling, Mann. Von hier aus ergibt sich die Rückbeziehung auf die heidnisch-christliche Legierung der Renaissance, in deren politischem und symbolischem Mittelpunkt ja der Träger der virtü, also der noch junge und der einzelne Mensch steht, und von da weiter auf die antike Welt. In dieser nun finden wir Beweis und Beispiel für die These unseres Eingangs: daß es sich bei der Hochwertung des Alters um keine natürliche Kategorie handelt. Vor der christlichen Legierung des europäischen Heidentums mit jüdischem Monotheismus steht nicht der Greis, sondern der Jüngling im Mittelpunkt des Lebens und der Kunst: hier ist er noch ganz unverhüllt der Idealtyp. Begnügen wir uns zunächst mit der Feststellung dieser Tatsache, deren Richtigkeit ja unmittelbar einleuchtet. Ihre innere Notwendigkeit und ihr symbolischer Wert wird uns erst aus der Betrachtung der jüdischen Zusammenhänge deutlich werden. I. Die Ehrung des Alten ist eine ausdrückliche Vorschrift derThorah. Der Vers: „Vor dem grauen Haupte sollst du aufstehen, du sollst ehren das Antlitz des Alten"1) steht in einem ganz besonders bedeutungsvollen Zusammenhang. Er findet sich in jenem dritten Buch des Pentateuch, mit dem man nach dem alten Brauch den Unterricht der Kinder in der Thorah beginnt, in jener Sidrah, die nach ihren Siegelworten heißt: „Geheiligte sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott"2) und zwischen zwei Versen, von denen der vorangehende vor den Zauberern und Totenbeschwörern warnt, die das heilige Volk verunreinigen könnten, und von denen der nachfolgende verbietet, den Fremdling im Lande zu bedrücken. So — eingeordnet zwischen zwei Grundworten: einem Grundwort des Monotheismus, das jeden Vermittler götzischen Tuns oder Denkens als unrein ausschaltet, und dem Grundwort der monotheistischen Soziallehre, der alle Menschen grundsätzlich gleich sein müssen, steht in unserer Thorah die Vorschrift, das Alter zu ehren. Sie wird noch besonders eingeprägt durch den Zusatz: „denn Du sollst vor Deinem Gotte Ehrfurcht haben: x) Lev. 19. 32. 2) Lev. 19. 2.

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