Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 397 (sequence 12)
- Language
- German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 397 Die Mitgliedschaft der S. S. in der Internationale, die von ihnen mit ungeheurer Begeisterung begrüßt wurde, war aber keine dauernde. Bereits kurze Zeit darauf, Oktober 1908, machte das internationale sozialistische Bureau unter dem Einfluß der Hetzkampagne, die durch die R. S. D. A/P. und den „Bund" gegen die S. S. geführt wurde, seinen früheren Beschluß in bezug auf deren Aufnahme wieder rückgängig. Fortan waren nur noch der „Bund" und die Sejmisten in der Internationale vertreten, die auch beide, der „Bund" seit 1904, die Sejmisten seit 1907, im internationalen sozialistischen Bureau je eine beratende Stimme hatten. Die „Poale-Zion" machten nie den Versuch, als ein Teil einer Landespartei, sei es der russischen oder einer anderen, in die Internationale aufgenommen zu werden. Ihre kurz nach der Entstehung der einzelnen Parteien erfolgte Einigung zu einem Weltverband brachte sie sofort auf den Gedanken, eine Vertretung der gesamten jüdischen Arbeiterschaft der Welt in der Internationale zu erstreben. Bereits im März des Jahres 1907 richteten die „Poale-Zion*'-Parteien aus Rußland, Österreich und Amerika ein gemeinsames Schreiben an das internationale sozialistische Bureau und verlangten eine Vertretung auf dem internationalen Kongreß. Sie wurden indes an die russische sozialistische Partei verwiesen mit dem Bemerken, daß sie nur durch sie eine Vertretung erlangen könnten. Im Oktober des Jahres 1908 richtete das damals bereits bestehende Verbandsbureau der „Poale- Zion" ein Schreiben an das internationale sozialistische Bureau, wo das Verlangen nach einer besonderen Vertretung wiederum erhoben wurde. Es wurden darin auch die jüdischen sozialistischen Parteien bezeichnet, die das Mandat für die jüdische sozialistische Arbeiterschaft gemeinsam übernehmen könnten: Die „Poale-Zion", der „Bund"^ die S. S. und die Sejmisten. Es wurde ersucht, die Frage einer besonderen jüdischen Vertretung auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des internationalen sozialistischen Bureaus zu setzen. Als aber kurz darauf die Koordinationsverhandlungen zwischen den drei proletarischen zionistischen Parteien begannen und die Hoffnung aufkam, die drei Parteien vereinigen oder zumindest in gewissen Punkten zum gemeinsamen Handeln bringen zu können, zog das Verbandsbureau im Oktober des Jahres 1909 sein Schreiben an das internationale sozialistische Bureau mit dem Hinweis auf die schwebenden Verhandlungen mit den anderen jüdischen sozialistischen Parteien zurück. Tatsächlich war die vollständige Einigung in der Frage der Vertretung der jüdischen Arbeiterschaft in der Internationale eines der wenigen konkreten Ergebnisse der Wiener Verhandlungen. Die gemeinsame Denkschrift der drei sozialistischen Parteien wurde am 1. Mai 1911 dem internationalen Bureau übergeben. Dort wurden die bisherigen Bestrebungen zur Erlangung einer besonderen Vertretung in der Internationale aufgezählt und hierauf die Gründe angeführt, warum man eine derartige Vertretung anstrebe. Das internationale sozialistische Bureau wurde an seinen eigenen Beschluß aus dem Jahre 1906 erinnert, demzufolge als eine besondere Nation auch eine Gruppe von Menschen anerkannt werden dürfe, die ein klares Streben zur Autonomie als Folge langer gemeinsamer Geschichte