Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 394

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
394 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3101111-3101201-3101208-3109458--7139-3109502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

394 Arjeh Tartakower: und Stärkung des nationalen Lebens der jüdischen Minderheiten in der Galuth führen wird. 8. Die territoriale Selbständigkeit des jüdischen Volkes kann nur erreicht werden durch nationale Selbsttätigkeit, in erster Reihe durch organisierte, öffentlich-rechtliche, nationale und autonome jüdische Anstalten. Zugleich verlangt auch die Regelung der jüdischen Wanderungen in der Richtung der Konzentration die organisierte gesellschaftliche Tätigkeit der jüdischen Volksmassen mit dem Proletariat an der Spitze. 9. Die territorialistische Emigrations- und Kolonisationstätigkeit, die sowohl für die Interessen der jüdischen Volksmassen in den einzelnen Ländern, wie auch für die historische Entwicklung der einheitlichen jüdischen Nation von Bedeutung ist, kann daher mit Erfolg durchgeführt werden nur durch eine allweltliche jüdische Organisation mit weitverzweigten örtlichen und zentralen Organen. 10. Die endgültige Lösung der Judenfrage wie des nationalen Problems überhaupt in der Form einer Föderation von autonomen Nationen wird erst die Verwirklichung des sozialistischen Ideals bringen, das das ganze Leben auf Grundlagen nationaler und sozialer Freiheit überbauen wird." Um auch den „Poale-Zion" die Möglichkeit einer Annäherung an die beiden Parteien zu geben, wurde bei den Vereinigungsverhandlungen sowohl seitens der S. S. als auch seitens der Sejmisten betont, daß sie keine prinzipiellen Gegner Palästinas seien. Doch genügte dieser Standpunkt den „Poale-Zion" nicht. Aber auch die fast schon bevorstehende Vereinigung der S. S. und der Sejmisten scheiterte vorläufig noch infolge rein äußerlicher Ursachen und sollte erst einige Jahre später verwirklicht werden. Hatten auch die Wiener Verhandlungen nicht zu dem erstrebten Resultat der Vereinigung der proletarischen zionistischen Parteien geführt, so waren sie doch von einem anderen Gesichtspunkt aus von großer Bedeutung: sie führten zu einer einheitlichen Stellungnahme der proletarischen zionistischen Parteien zu der Frage der jüdischen Vertretung in der sozialistischen Internationale. Diese Frage war eine der schwierigsten in jener Periode der Geschichte des jüdischen Sozialismus und wurde durch die gegenseitigen Reibungen unter den jüdischen sozialistischen Parteien noch mehr kompliziert. Sie konnte allerdings erst in dem Moment ihre besondere Aktualität gewinnen, als die proletarische zionistische Bewegung entstand, denn erst damals entstand auch das Bedürfnis nach einer besonderen jüdischen Vertretung in der Internationale. Allerdings war auch der „Bund" bestrebt, eine Vertretung auf den internationalen sozialistischen Kongressen und im internationalen sozialistischen Bureau zu erlangen. Er tat es aber nur als Teil der russischen Delegation und erhob höchstens den Anspruch darauf, die jüdische Arbeiterschaft Rußlands zu vertreten. Die Situation änderte sich aber vollkommen, als diejenigen sozialistischen Parteien entstanden, die eine überterritorielle Einigung der jüdischen Arbeiterschaft erstrebten und für die so geeinigte Arbeiterschaft eine von Landesgrenzen ganz unabhängige Vertretung zu erlangen suchten. Einer derartigen Ordnung war die II. Internationale, die lediglich eine territoriale, lange Zeit übrigens nur die durch die Staatsgrenzen gegebene Scheidung der Parteien kannte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.