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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 390

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
390 (sequence 5)
Language
German
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390 Arjeh Tartakower: starken geistigen Einfluß der Sejmisten und nahm die wichtigsten Resolutionen in ihrem Geiste und in der von ihnen vorgeschlagenen Formulierung an. Die Nationen in Rußland wurden als exterritoriale Verbände mit öffentlich rechtlichem Charakter proklamiert. Die Notwendigkeit des Rechtsschutzes für die nationalen Minderheiten wurde betont, und insbesondere der Kampf um das Proportionalwahlrecht beschlossen. Im sozialistischen Leben Rußlands bedeutete diese Konferenz ein überaus wichtiges Ereignis und trug viel zur gegenseitigen Annäherung der nationalen sozialistischen Parteien bei. Doch war, wie gesagt, dieses Bündnis zwischen den S. R. und den Sejmisten eine Ausnahme. Weder den S. S. noch den „Poale-Zion" gelang es, ein Zusammenwirken mit der R. S. D. A. P. in die Wege zu leiten, obwohl die S. S., die in den ersten Jahren ihres Bestehens, nach dem „Bund", die stärkste jüdische sozialistische Partei in Rußland waren, viele Versuche machten, um als föderativer Teil in die R.S.D.A.P. aufgenommen zu werden, schon deswegen, um eine Vertretung auf den internationalen sozialistischen Kongressen zu erlangen. Das Verhältnis der R. S. D. A. P. zu den S. S. war das denkbar schlimmste, um so mehr, als sie vom „Bund" ununterbrochen gegen sie aufgehetzt wurde. Man warf den S. S. zunächst ihre Nichtproletarisierungstheorie vor. Wenn es wahr sei, daß sich in Rußland kein jüdisches Proletariat bilden könne, so könne es auch keine Partei des jüdischen Proletariats geben, folglich habe die Partei der S. S. keine Existenzberechtigung. Des weiteren habe eine Partei, die eine territoriale Konzentrierung der jüdischen Arbeiterschaft außerhalb Rußlands erstrebe, in Rußland politisch keinen Sinn und könne auf das soziale Leben im Lande nur störend wirken. Ihre Tätigkeit sei sogar direkt gegen die Interessen der russischen Arbeiterschaft gerichtet, da sie die Emigration eines bedeutenden Teiles der klassenbewußten Arbeiterschaft aus Rußland erstrebe. Und schließlich verurteilte man die S. S. wegen ihrer Pläne, die jüdische Heimat im Wege der Zusammenarbeit mit der jüdischen Bourgeoisie und nicht im Wege des Klassenkampfes aufzubauen. All diese Argumente wurden gegen die S. S. immer wieder ins Treffen geführt, und es wurde ihnen mit Berufung darauf sowohl die Aufnahme in die R. S. D. A. P. als auch die Vertretung auf den internationalen sozialistischen Kongressen verweigert. Dagegen halfen weder die Protestresolutionen der S. S., noch auch, von einem momentanen Erfolg abgesehen, ihr direkter Appell an die sozialistische Internationale. Sie gelangten nie in die R. S. D. A. P. Aber auch in den anderen Ländern hatten die proletarischen Zionisten in dieser Beziehung kein Glück. Weder den Versuchen der „Poale-Zion" in England, in die „Labour Party'S noch auch denen der S. T. und der „Poale-Zion" in Amerika, in die dortige sozialistische Partei aufgenommen zu werden, war bis zum Ausbruch des Weltkriegs Erfolg beschieden. Vielleicht waren es auch diese Anfeindungen oder zumindest der vollständige Mangel an Verständnis seitens der anderen sozialistischen Parteien, was die proletarischen zionistischen Parteien bereits nach Ablauf der ersten paar Jahre einander viel näher brachte und den Plan ihrer vollständigen Vereinigung entstehen ließ. Jedenfalls waren die drei Parteien von

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