Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 389 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 389 Kampf mischten sich auch die Poale-Zion kräftig ein, die in der Vereinigung der jüdischen Sektion der P. P. S. D. mit der Z. P. S. einen nationalen Verrat sahen und dies auch in einer öffentlichen Proklamation kundgaben. — In Amerika bildete sowohl das Organisationsbureau der „Jiddisch sprechenden Sozialisten" als auch die an seiner Stelle später gegründete „Jüdische Sozialistische Föderation" einen integralen Bestandteil der allgemeinen sozialistischen Partei des Landes, der S. P. Ganz anders gestaltete sich das Verhältnis zwischen den proletarischen zionistischen Parteien und den allgemeinen sozialistischen Parteien. Der Berührungspunkte gab es da viel weniger, die Unterschiede waren bedeutend größer und viel schwerer zu überbrücken. Die Ideologie der proletarischen zionistischen Parteien mit ihren Anschauungen über das Wesen und die Entwicklungstendenzen des jüdischen Proletariats, sowie mit ihrer Einstellung zur Judenfrage und zu den Möglichkeiten ihrer Lösung war den meisten sozialistischen Parteien nicht nur fremd, sondern schien ihnen geradezu unsozialistisch zu sein. Dazu kam noch der Umstand, daß die proletarische zionistische Partei durch ihre viel stärkere Betonung des nationalen Momentes in der Bewegung und des Territorialismus, als der einzig möglichen Lösung der Judenfrage, sozusagen auf die Exterritorialität eingestellt war, eine überterritoriale Einigung der jüdischen Arbeiterschaft erstrebte — und dies auch schließlich durch den Weltverband der „Poale- Zion" erreichte — und schon dadurch den sozialistischen Landesparteien, die ja fast nur Landesinteressen kannten, fremd erscheinen mußte. So wollte es denn den proletarischen zionistischen Parteien trotz vieler Bestrebungen nicht gelingen, an die sozialistischen Landesparteien Anschluß zu finden. Die einzige Ausnahme bildeten die Sejmisten in Rußland, die ja auch von allen proletarischen zionistischen Parteien am allerwenigsten ihren Territorialismus und am stärksten die Wichtigkeit der Landespolitik betonten. Ihre geistige Verwandtschaft mit den Sozialrevolutionären, denen sie sowohl ihre idealistische Grundanschauung, wie auch ihre starke Betonung des nationalen Momentes in der Bewegung entlehnt hatten, brachte bereits nach kurzer Zeit auch die organisatorische Annäherung der beiden Parteien mit sich. In demselben Jahre, in dem die J. S. A. P. entstand, kam auch der dauernde Block zwischen ihr und den Sozialrevolutionären zustande, und von nun an traten die beiden Parteien immer gemeinsam auf, Und zwar sowohl im Lande als auch nach außen, insbesondere gegenüber der Internationale. Indessen genügte den Sejmisten ihre Annäherung an die Sozialrevolutionäre nicht. Ihre große Aktivität in den ersten Jahren ihres Bestehens brachte sie auf den Gedanken des Zusammenschlusses aller nationalen sozialistischen Parteien in Rußland. Die durch sie vorgeschlagene gemeinsame Konferenz dieser Parteien, die Richtlinien für die Taktik ausarbeiten sollte, kam im April des Jahres I907 in Helsingfors zustande. Daran waren folgende Parteien beteiligt: Sozialrevolutionäre, Sejmisten, P. P. S.-Linke, die armenische sozialistische Föderation, die grusinischen Sozialrevolutionären Föderalisten und die bielorussische sozialistische „Gromada". Die Konferenz stand ganz unter dem