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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 7 · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 7
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
388 (sequence 3)
Language
German
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388 Arjeh Tartakower: Bestandteil der russischen sozialdemokratischen Partei, und obwohl dieser Schritt sowohl innerhalb seiner Anhänger als auch innerhalb der R. S. D. A.P. auf heftigen Widerstand stieß und erst nach langen Kämpfen getan werden konnte, so sollte es doch für lange Zeit dabei bleiben: bis zu seinem definitiven Ausscheiden aus der Partei und dem Eintritt in die russische kommunistische Partei im Jahre 1920. Daß es trotz der auch weiterhin bestehenden großen Dosis von gegenseitigem Mißtrauen bei dieser organisatorischen Verbundenheit auch weiterhin blieb, hatte seine Ursache einerseits in der Entwicklung der proletarischen zionistischen Parteien, die es gemeinsam zu bekämpfen galt, anderseits aber in den inneren Kämpfen in der R. S. D. A. P., zwischen den Bolschewiken und den Menschewiken, wobei jeder Teil den „Bund" für sich zu gewinnen suchte. Die Haltung des „Bund" selbst in diesem inneren Parteikampf war schwankend. In den Jahren 1905—6 sympathisierte er mit den Bolschewiken, bildete aber doch seit 1912 einen integralen Bestandteil der menschewistischen Fraktion, bis zu seinem Anschluß an die russische kommunistische Partei. Als autonomer Teil der R. S. D. A. P. nahm der „Bund" an all ihren Kongressen teil und war auch an die allgemeine Parteitaktik gebunden. In Wirklichkeit jedoch behielt er auch weiterhin seine Bewegungsfreiheit und trat sehr oft, insbesondere bei den Wahlen und natürlich auch bei inneren jüdischen Angelegenheiten, selbständig auf. Auch das Verhältnis der polnischen sozialistischen Parteien zum „Bund" nahm im Lauf der Zeit einen anderen Charakter an. Wiewohl es trotz des Vereinigungsvertrages zwischen der R. S. D. A. P. und dem „Bund" in Polen zu keiner «organisatorischen Vereinigung zwischen ihm und der P. S. D. kam, die ja auch einen Bestandteil der R. S. D. A. P. bildete, so waren doch Fälle von gemeinsamen Aktionen der beiden Parteien und der linken Fraktion der P. P. S. seit den ersten Jahren des 20. ten Jahrhunderts an der Tagesordnung. Insbesondere wurden Maidemonstrationen fast immer gemeinsam organisiert, und in den Revolutionsjähren 1905—6 arbeiteten die drei Parteien eng zusammen. Im Laufe der Zeit gelang es sogar, ein gemeinsames Organisationsbureau der sozialistischen Parteien in Polen zu schaffen, in dem der „Bund", die P. S. D. und die linken P. P. S. vertreten waren. Das Bureau bestand bis zum Ausbruch des Weltkrieges und trug viel zur gegenseitigen Annäherung der drei Parteien bei. — In Galizien gab die P. P. S. D. im Lauf der Zeit ihre ausgesprochen feindliche Haltung der Z. P. S. gegenüber auf, die beiden Parteien begannen zusammenzuarbeiten, und es kam schließlich so weit, daß sich die übriggebliebenen jüdischen Mitglieder der P. P. S. D. im Jahre 1911 mit der ausdrücklichen Zustimmung ihrer Parteileitung der Z. P. S. anschlössen. Allerdings löste diese Vereinigung, die eine Schwächung des nationalen Programms der Z. P. S. zur Folge hatte, im Innern der Partei selbst heftige Kämpfe aus. Es bildete sich eine Opposition, die die unveränderte Beibehaltung und Betonung des nationalen Programms forderte und schließlich nach der zweiten Konferenz der vereinigten Partei, Krakau 1913, aus ihr ausschied und eine eigene Partei begründete. In diesen inneren

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