Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Kritische Übersicht über die neuere Literatur [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Bibelwissenschaft 365 Genesis durften (da auch sonst ausländische Literatur angegeben wird), die englischen von Driver und Skinner nicht fehlen. Auch die verschiedenen Schriften des Referenten zum Pentateuch scheinen dem Verfasser unbekannt -geblieben zu sein. Denn er huldigt doch gewiß nicht dem Grundsatz: J u d a i c a sunt — non leguntur! Daniel Völter: Die Patriarchen Israels im Licht der ägyptischen Mythologie1). Der Herr Verfasser, Professor der Theologie in Amsterdam, ist einer der wenigen, die sich durch die Hochflut des Panbabylonismus in der vordem beliebten Ableitung alles Israelitischen aus Ägypten nicht haben irre machen lassen. In dieser Schrift behandelt er 1. Abraham und Sarah und ihre Familie, 2. Jakob und Esau, 3. Joseph, 4. die Lade Gottes. Es ist, kurz gesagt, alles ägyptisch. „Es zeigt sich, daß die vornehmsten Gestalten der Urgeschichte Israels den Hauptfiguren des ägyptischen Pantheons entsprechen oder deren charakteristische Züge an sich tragen.*4 Z. B. die Erzählung von der Einkehr Gottes bei Abraham in Mamreh und vom Untergang Sodoms ist wahrscheinlich eine Übertragung des ägyptischen Mythus von der Vernichtung des Menschengeschlechts durch Re und die Göttin Hathor, wie das in einigen Königsgräbern des neuen Reiches bei Theben dargestellt ist. Abraham ist — Nun, Gott Re. Sarah ist Nunet, die weibliche Ergänzung Nuns, des Gottes der unterirdischen Zone. Die Offenbarung an Abraham c. 15 ist die nächtliche Erscheinung des ägyptischen Sonnengottes während seiner Fahrt durch die Unterwelt 1*3). Der König von Sodom c. 14 ist Re. Der Erzählung liegt eine Sage von der Fahrt des Sonnengottes durch die Unterwelt zugrunde (27). Der Brunnen von Beerseba, den Abraham selbst gegraben hat, weist auf das Wasser in der Tiefe, auf das Urgewässer hin, als dessen Herr hier Abraham erscheint. Damit entspricht er genau dem ägyptischen Nun, dem Gott des Urgewässers, der auch im Mythus von der Vernichtung des Menschengeschlechtes über alle Löcher der Erde gesetzt Jst. Abimelech, der König des Philisterlandes mit seinem Hauptmann Pichol und seinen Knechten dagegen entspricht hier dem im Westen untergegangenen Sonnengott Re, der nach Durchwanderung der Unterwelt schließlich im Osten in jene, in der biblischen Erzählung durch Abrahams Brunnen von Beerseba dargestellte, Urgewässer des Nun kommt, aus dem er wieder ersteht usw. (20). Ist Abraham gleich Nun und Sarah gleich Nunet, so muß ihr Sohn Isaak gleich Re oder Amon-Re sein (33). Seine Frau Rebekkah ist Hathor, die schon im Alten Reich als die Göttin der Fremdländer erscheint (36). Hagar und Ismael sind Isis und Horus (41). Jakob und Esau sind das Zwillingspaar Keb und Nut, Kinder eines anderen Zwillingspaares Schu und Tefnut. Keb, der Vater des Osiris, ist der Erdgott, der gewöhnlich dargestellt wird als ein am Boden liegender Mann, die eine Hand dem Himmel, die andere wie den Blick der Erde zugewendet. In dieser Haltung entspricht Keb dem auf einem Stein am Boden liegenden und schlafenden Jakob, usw. usw. bis zur Eroberung Jerichos und Rahab. Der einzige Beweis für alle diese Gleichungen, die mit ebenso viel Ausdauer wie Gewaltsamkeit durchgeführt werden, ist die ,,Ähnlichkeitu. Richtig ist nur die Voraussetzung, daß, da Palästina nicht nur Ägypten unmittelbar benachbart ist, sondern auch in der ältesten Zeit Jahrhunderte lang unter ägyptischer Herrschaft gestanden und mit Ägypten noch lange danach den regsten Kulturaustausch gepflegt hat, von vornherein auch literarische Abhängigkeiten von diesem Lande anzunehmen wären. Nachgewiesen sind sie freilich bisher noch nicht. Vielmehr hat es zu allen Zeiten keinen schärferen Gegensatz als den zwischen Israel und Ägypten gegeben. Paul Volz: Der Prophet Jeremia1). Die kleine Schrift ist ein mit Vertiefung und Liebe ausgeführtes Bild von dem Leben, Wirken und Kämpfen des Propheten. Sie enthält sich alles gelehrten Beiwerkes, nützt aber jede Andeutung des Prophetenbuches selbst aus, ohne in gewagte Kombinationen zu verfallen und kann, mit Wärme und leicht verständlich geschrieben, angelegentlich empfohlen werden. Das Schweigen Jeremias über die Kultusreform Josias nimmt der Verfasser (S. 12) zu leicht, und für die angeblich unter ihm erfolgte Publikation des Denteronomiums hätte er andere Konsequenzen ziehen müssen. Daß die Prophetie den Opferdienst grundsätzlich verworfen und ohne Einschränkung nicht bloß als Irrtum sondern als Sünde betrachtet habe, bestreiten ]) Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage, *pzig, J. C. Hinrichs, 1921. 115 S.!) 2. Aufl. Tübingen, I. C. B. Mohr. 1921» VIII u. 55 S.