Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Eine hebräische Fachzeitschrift für Landwirtschaft [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 355 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Kolonisation 355 Fehler, die unter uns häufig sind, zum Ausdruck kommt und in denen zur Verbesserung dieser Fehler gemahnt wird. So streifen die Aufsätze außer ihrem sachlichen Inhalt die mannigfaltigsten Fragen organisatorischer und kultureller Natur sowie rein menschliche Probleme. Besonders anziehend wird aber die Lektüre durch noch einen Umstand. Wir lesen hier nicht nur von palästinensischer Erfahrung, sondern alle diejenigen Fachleute, die entweder von Palästina ins Auslandgingen, um sich dort fortzubilden, oder aus dem Ausland nach Palästina kommen, bringen die Arbeitsmethoden der verschiedenen Länder mit: so will jeder das Beste aussuchen und auf die Anwendbarkeit unter palästinensischer Bedingungen hin erproben. Viele Berichte stammen aus Amerika, wo in Kalifornien ähnliches Klima wie in Palästina herrscht; dann aus Nordafrika, England, Deutschland, Rußland, Holland, Frankreich. Jeder Aufsatz bringt so eine bestimmte „Heimatfärbung" mit sich, und diese Verschiedenartigkeit der Aufsätze gibt der Zeitschrift einen freieren, universellen Charakter, als das sonst in landwirtschaftlichen Zeitschriften, die sich auf ein Land beschränken, der Fall ist. Die Ausführung der Hefte ist eine gute und solide; jedes Heft ist 48 Seiten stark, mit buntem Umschlag versehen, stark broschiert, auf gutem Papier und mit Abbildungen geschmückt. Die jetzige Auflage beträgt 2000. Noch einige Worte über die Bedeutung von „Hassadeh": Abgesehen von dem praktischen Nutzen für jeden, der sich über die Bedingungen der palästinensischen Landwirtschaft informieren und sich in der Entwicklung irgend welcher verwandter Wirtschaftszweige eventuell betätigen will (schließlich führt ja die Entwicklung der meisten Wirtschaftszweige auf die Landwirtschaft zurück), besitzt die Zeitschrift eine große kulturelle Bedeutung. In der Zeit, wo besonders die kulturelle Arbeit unter dem Geldmangel leidet und wo bedeutende Monatsschriften ihr Erscheinen in Palästina einstellen mußten, ist es gelungen, „Hassadeh" zu erhalten und auszubauen. Unsere Kolonisation leidet empfindlichen Schaden durch «las fast völlige Fehlen einer hebräischen Fachliteratur. Da ist „Hassadeh" die einzige Quelle, die den „Durst" nach landwirtschaftlicher Fortbildung und Aufklärung stillen kann und die so die Landwirtschaft als „Schrittmacherin" begleitet. Nur durch die Anwendung moderner und rationeller Methoden kann unsere Landwirtschaft rentabel und mit der primitiven Fellachenwirtschaft konkurrenzfähig werden. Wer die landwirtschaftliche Fortbildung fördert, hilft zur Stärkung unserer Position im Lande gerade so, als ob er Geld für den Bodenkauf gibt. Die Förderung der landwirtschaftlichen Fortbildung ist aber die Hauptaufgabe von „Hassadeh" und nur die Verbreitung und Verstärkung der Zeitschrift ermöglicht diese. Zur Verdeutlichung möge nun eine Besprechung des ersten Heftes des laufenden (4ten) Jahrgangs folgen. Ein einleitender Aufsatz von Dr. J. Reichert (Leiter der Abteilung für Pflanzenschutz an der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Zionistischen Organisation) gibt Anweisungen über „Die Beizung des Wintergetreides vor der Aussaat". Nach neueren Erfahrungen im Lande empfiehlt sich die Anwendung des Tauch-Kupfervitriolverfahrens zur Bekämpfung des „Brandes" mehr als die Beizung mit Formalin. Der zweite Aufsatz „Materialien von der Ausstellung in Mikweh Israel" eröffnet eine Reihe von Mitteilungen über landwirtschaftliche Versuche, die an der dortigen Ackerbauschule zur Klärung verschiedener Fragen unternommen wurden: Zeit der Aussaat, Sortenfrage, neue Anbauversuche mit Sudangras usw. Der dritte Aufsatz „Ein gelungener Versuch" (von Goldmer, Chuldah) berichtet über die Ernte und den Ausdrusch von Mais mit gewöhnlichen Mähbezw. Dreschmaschinen und zeigt, wie man sich manchmal in schweren Lagen zu helfen wissen muß (die Ernte mit der Hand ist zu zeitraubend und kostspielig, Spezialmaschinen für Mais waren nicht vorhanden). Z. Krämer gibt in dem Aufsatz „Geflügelhaltung in Erez-Israel" einen guten Überblick über die wirtschaftliche Lage und die Rentabilitätsaussichten dieses Zweiges. Da sich weitere Kreise auch in Deutschland für Geflügelzucht interessieren und nur zu leicht übertriebene Hoffnungen damit verbunden werden, will ich einen kurzen Auszug hier folgen lassen: Der Verfasser geht von folgender Rentabilitätsberechnung aus: Bei der Annahme, daß die jährliche Fütterung eines Huhnes ca. 35 Piaster kostet und für ein Dutzend Eier 23*