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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Anleihe, Steuer, Sammlung
Date
1924-01-01
Page
350 (sequence 2)
Language
German
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350 Bemerkungen: Anleihe, Steuer, Sammlung lung in einem Lande betrieben wird, dessen Boden bereits einen Marktwert hat. Daß also der Siedler Mittel sowohl für die Bodenbeschaffung, als auch für den Betrieb benötigt. Wenn man auch nur diese hier hervorgehobenen, das Thema keineswegs erschöpfenden Besonderheiten der Palästinakolonisation berücksichtigt, so wird der Glaube untergraben, daß Entscheidendes allein von der Privatinitiative, die nur durch Propaganda zu wecken wäre, erwartet werden dürfe. Die Gelegenheit, Geschäfte zu machen, Kapital günstig zu verwerten, wird für die kapitalkräftigen jüdischen Kreise im allgemeinen noch lange auf anderen Gebieten günstiger sein als in Palästina. Wo die private Initiative bereit ist, Kräfte in Palästina zu entfalten, da soll sie gewiß willkommen sein. Eine kolonisatorische Arbeit soll nicht auf eine Form eingeschworen werden. Aber entscheidende Fortschritte im Palästinaaufbau wird man nur bei planmäßiger Förderung der Großkolonisation durch Zuschüsse des jüdischen Volkes erwarten dürfen. Es bedarf zunächst der Zuschüsse, der Verfügung über Gelder, bei denen niemand die Gewähr bieten kann, wann ihre Anlage zu einer rentablen werden kann. In dieser Konstellation ist es sehr zweifelhaft, ob die Zeit für eine Anleihe reif ist. Eine Sammeltätigkeit, die in unserem Ealle den Ersatz für die fehlende Besteuerungsmöglichkeit des Muttervolkes bildet, darf mit vollem Recht die Hingabe des Geldes um des Zweckes willen fordern. Wer aber eine Anleihe verkaufen will, darf ihren Absatz nicht mit Gefühlsargumenten betreiben, sondern nur mit finanziellen Reizmitteln. Denn um der Zukunft willen darf eine jüdische Palästinaanleihe weder — wie es Hans Goslar sehr treffend genannt hat — als eine Rachmonusanleihe plaziert, noch darf sie nach der Unterbringung ein mißachtetes Wertpapier am internationalen Kapitalmarkt werden. Was aber vermag eine Palästinaanleihe dem kapitalistischen Geldgeber heute zu bietend Der Kreditnehmer, sei es die Jewish Agency, seien es die jüdischen Organisationen in ihrer Gesamtheit, hat eine rechtlich wenig gesicherte Basis. Gewiß, die Anerkennung des Völkerbundes ist ein Aktivum. Aber der Völkerbund selbst ist zu jung, zu unbewährt, als daß die von ihm geschaffene neuartige völkerrechtliche Form dem immer skeptischen Finanzmann sehr großes Vertrauen einzuflößen vermöchte. Aber sehen wir von dieser rechtlichen Seite ab: welche realen Garantien vermag man für den Zinsen- und Tilgungsdienst der Anleihe, der heute auf mindestens jährlich 10% von der Kapitalsumme veranschlagt werden muß, zu bieten? Arlosoroff meint, daß die Verwendung des Kapitals ausschließlich für wirtschaftliche Zwecke bei planmäßiger Großkolonisation die Gewähr für hinreichende Erträgnisse bieten würde. Das ist eine These, deren Richtigkeit oder Falschheit ich nicht zu prüfen vermag, aber, und das ist das Wesentliche, auch der Geldgeber müßte sie blind glauben. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß ihre Begründung ausgeht von einer sozialistischen Einstellung zu den Erfolgsaussichten einer zentral geleiteten Kolonisationsarbeit, die ich für die richtige halte, die aber der geistigen Einstellung der wesentlich kapitalistisch orientierten Geldgeber, an die man unter den europäisch - amerikanischen Juden appelliert, nicht entspricht. Was die investierten Anleihekapitalien im ersten Jahrzehnt an Erträgnissen liefern können, bleibt meines Erachtens eine offene Frage — was aber tritt ein, wenn die Erträgnisse nicht für den Anleihedienst ausreichen? Bei anderen Anleihen öffentlichrechtlicher Körperschaften bürgt die Steuerkraft des Volkes, Diese Bürgschaft fehlt. Die Eingänge aus der Sammeltätigkeit der jüdischen Palästinaorganisationen, die unser Steuerersatz sind, sind aber erstens zu gering.

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