Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Anleihe, Steuer, Sammlung
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 351 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Neue Wege der Kunst 351 und zweitens in ihrer Beständigkeit zu unbewährt, um die Steuerbürgschaft ersetzen zu können. Wenigstens heute, vielleicht kann sich das in einigen Jahren ändern. Verpfändungen von Grund und Boden und Bürgschaften von einzelnen Palästinaunternehmungen sind meines Erachtens auch kein zureichender Garantieersatz, denn die Chancen, diese Pfänder realisieren zu können, wird der Anleihegläubiger kaum sehr hoch veranschlagen. Aus den hier kurz skizzierten Gründen scheint es mir, als sei die Zeit für eine große Palästinaanleihe noch nicht reif. Ihr Mißerfolg würde die Zukunft des Werkes zu schwer belasten, als das man auf diesem Gebiete ein leichtfertiges Experiment wagen dürfte. Aber die Gefahr einer großen Anleiheaktion in diesem Zeitpunkte liegt auch darin, daß sie die Sammeltätigkeit erschweren könnte. Der kolonisatorische Aufbau Palästinas wird aber nur dann schneller vorankommen, wenn große Teile des jüdischen Volkes sich der Notwendigkeit bewußt werden, daß diese Kolonisation neben der Arbeit der Pioniere der Zuschüsse des Mutter- Volkes in der ganzen Welt bedarf. Völker, die einen Staat bilden, finanzieren die Zuschüsse für Kolonisationsanfänge aus den allgemeinen Steuern. Für die Juden müssen die Spendensammlungen die Form der Selbstbesteuerung werden, die die fehlende Steuerhoheit der Gemeinschaft ersetzen. Das Werben für die Anerkennung und Verwirklichung dieser Idee ist eine Arbeit, deren Schwierigkeiten gewiß nicht unterschätzt werden sollen, die aber als „Schnorren" nicht diskreditiert werden darf. Daß diese dringlichste Aufgabe für die Finanzierung der Palästinaarbeit nicht durch die Erörterung sehr problematischer Anleihepläne geschädigt werden darf, ist der Gesichtspunkt, der sich gerade bei nüchtern ökonomischer Betrachtung aufdrängt. Fritz Naph tali Neue Wege der Kunst Unsere Sehnsucht nach künstlerischem Ausdruck ist so alt wie die zionistische Bewegung. Schon die ersten Siedler, die mit dem Wunsch herüberkamen, den Boden des Landes für eine neue Gemeinschaft zu erobern, brachten das Verlangen nach Künstlertum in ihrem Lande mit. So entstand auf einer Entwicklungsstufe, auf der andere kolonisierende Völker erst ihre Schenken und ihre Kirchen bauen, bei uns bereits eine Kunstschule. Natürlich beruhte sie auf einem Mißverständnis. Ein Volk, das noch nichts andres ist als eine Schar von Einwanderern aus allen Weltecken; denen von der Speise auf ihrem Tisch bis zur Sprache in ihrem Munde und bis zur moralischen Grundlage - ihres Lebens noch jede Gemeinsamkeit fehlt, kann natürlich keine nationale Kunst schaffen. Eine Gesellschaft, in der noch die Möglichkeiten zum äußersten Rationalismus wie zur äußersten Mystik, zum kategorischsten Imperativ wie zum sensibelsten Glauben liegen, kann ihre Züge nicht so klar erkennen, daß es sie schon im Kunstwerk fixieren könnte. So blieb die nationale Kunst des Anfangs in Magen Davids, Menorahs und hebräischen Buchstaben-Stilisierungen stecken und geriet später, als die Wiederholung dieser paar Allegorien gar zu trostlos geworden war, unter Pariser Ateliereinflüsse. Erst allmählich brach sich das Verständnis dafür Bahn,, daß man nicht — mit der Reisetasche noch in der Hand — bereits die Seele eines neuen Landes und Volkes aussagen kann. Aber wenn wir Jetzigen auch den Glauben abgetan haben, daß unsere und sicher noch einige weitere Generationen der Welt eine neue Ausdrucksmöglichkeit geben werden, so haben wir doch natürlich auf den Kontakt mit der Kunst nicht verzichtet; und wir — gewohnt, sie als wesentlichen Bestandteil