Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 345 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Jüdische Museen 345 Die wichtigste Aufgabe ist, ganze Bauwerke oder doch Teile von ihnen zugänglich zu machen, oder sie, bevor sie dem Verfall preis gegeben werden, in ein Museum, am besten in eine Spezialsammlung, zu überführen. Diese Erhaltung sollte auch dann stattfinden, wenn möglicherweise noch eine Benutzung nach erfolgtem Umbau (sprich vollständige Zerstörung) möglich wäre. Sicherheit für Erhaltung gewährt nur die Umwandlung oder die Überführung in ein Museum, denn besonders an kleineren Orten ist sonst niemals, wie die Erfahrung lehrt, Schutz gegen mutwillige oder fahrlässige Demolierung vorhanden. Das gleiche darf auch von den jüdischen Grabsteinen behauptet werden, die nur in den seltensten Fällen (z. B. Frankfurt a. M., Berlin, Prag usw.) am ursprünglichen Platz in Sicherheit sind. So schwer man sich entschließen mag, eine Entfernung der Grabdenkmäler vom guten Ort anzuordnen, so erwünscht ist dies mit Rücksicht auf die, mit der Zeit auch den härtesten Stein zernagenden Witterungseinflüsse, ganz abgesehen von Bubenhänden, die an der Friedhofsstille keinen Anstoß nehmen und denen der Judenfriedhof gerade der geeignete Ort zur Ausführung ihrer Streiche ist. — Über die Wichtigkeit, die Akten und Dokumente der jüdischen Gemeinden in Sicherheit zu bringen, hat das Gesamtarchiv in Berlin schon erfolgreich referiert. Leider zeigen die Archive kaum Neigung zur Entleihung, und doch nützen diese seltenen Dokumente der Allgemeinheit gar nichts, wenn sie in Schränken modern. Daß eine Gemeinde ihre seltensten und kostbarsten Dokumente dem Museum überläßt, wie es in Frankfurt a. M. geschieht, ist eine sehr vereinzelte und anerkennenswerte Ausnahme, die von allen Besuchern und der Museumsleitung dankbar anerkannt wird. Die Zusammenfassung der Museen, Bibliotheken und der Archive, die Judaica beherbergen, könnte sicher zur Lösung der Frage beitragen. Unterdes wird man sich leider mit Photographien oder im besten Falle mit Kopien begnügen müssen, die man bei allen Ausstellungen tunlichst vermeiden sollte. — Schlimmer steht es mit zahlreichen weltlichen Kulturdenkmälern, die sich im Privatbesitz befinden und die fast garnicht zu erfassen sind. Briefe, Siegel, Wappen, Urkunden privater Natur und vieles andere wandert eher in den Ofen als ins Museum. Die begreifliche Scheu vor der Öffentlichkeit muß endlich durch die Erkenntnis der Bedeutung dieser Dinge für die Allgemeinheit überwunden werden. Außerdem darf sich der Besitzer über das Feingefühl und die Diskretion der Museen wahrlich beruhigen, die natürlich alles vermeiden, was den Spendern oder den einstigen Inhaber bloßstellen könnte. Am ehesten werden auch hier Handel und Sammler das Material heben und die Erkenntnis der Werte fördern; der Anfang einer jüdischen Autographiensammlung1), von dem neulich Mitteilung gemacht wurde, ist ein durchaus erfreuliches Zeichen. Immerhin müßten die jüdischen Museen den literarischen Nachlaß der berühmten Juden ebenso sichern, wie sie sich um die Erhaltung interessanter Memoirenwerke und Familienbriefe von überpersönlicher Bedeutung und um ähnliche Seltenheiten mehr kümmern sollten. 3) durch Dr. Ab raham Schwadron, Zloczow, (Polen).