Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 346 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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34$ Martin Bu b er Alle Museen sind in gewisse* Weise Repräsentanten der von ihnen zur Schau gestellten Kulturen. Unsere Kenntnis des Fernen Ostens ist z. B. fast ausschließlich auf die musealen Objekte und die Menschen selber beschränkt, denn die Sprache können wir — mit vereinzelten Ausnahmen — nicht verstehen. Originale sind der wahre Ausschnitt des Lebens, an ihnen bilden wir unser Urteil, und an ihnen bilden sich die anderen auch das Urteil über uns. In diesem Sinn ist jedes jüdische Museum mehr positive Abwehr gegen Verkennung und Verleumdung als sämtliche Zeitungen, Broschüren und Bücher. Eine Abwehr, die um so mehr wirkt, je weniger sie beabsichtigt ist! Jede selbstüberschätzende oder prunkende Ideologie ist schon aus Gründen des Taktes und des Geschmacks abzulehnen, es sollte auch jede a priori-Einstellung vermieden werden. Tatsachen sprechen in ihrer Einfachheit für sich selber, und die Museen sind nicht der Ort, um bestimmte Teile einer Kultur gegenüber anderen Teilen hervorzuheben. Aus der Totalität der jüdischen Kultur ergibt sich am leichtesten ihre bescheidene, aber durchaus berechtigte Schätzung im Rahmen der allgemeinen Weltkultur. Die vielseitige Bedeutung jüdischer Museen soll nicht zur Verkennung ihrer vornehmsten Aufgabe führen, der Volksbildung zu dienen. Alles was nach außen erreicht werden könnte, ist weniger wertvoll, als die inneren Aufgaben, zu denen auch Forschung und Denkmalpflege gehören. MARTIN BUBER/ VOM TOD DER GERECHTEN1) Übersiedlung Als Rabbi Chajim von Zans nach Primischlan, in die Stadt Rabbi Mei'rs kam, nahm dieser es aus der Ferne wahr und ließ ihm sagen, daß er ihn erwarte. Nach der Begrüßung sprach er: „Zanser Rabbi, Ihr seid ja ein Mitglied des himmlischen Gerichts, so gebt mir Auskunft: soll MeYr weiter in solcher Enge hausen, oder steht es ihm zu, eine größere und stattlichere Wohnung zu beziehen?" „Gewiß", antwortete, ohne sich zu bedenken, Rabbi Chajim, ,,kommt Euch eine geräumigere zu". „So soll es geschehn", sagte Rabbi Mei'r. Der Zanser erschrak: „Ich habe nur an diese Welt gedacht", rief er. „Es ist beschlossen", sagte Rabbi Meir. Er starb nach wenigen Wochen. Der Zehnte Rabbi Ahron der Levite, des großen „Raw" großer Schüler, betete einst zum Sabbath empfang vor der heiligen Lade. Nach dem Gebet ging er langx) Aus dem demnächst bei Kütten & Loening erscheinenden chassidischen Geschichtenbuch „Das verborgene Licht*