Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 344 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Erich Toeplitz wirkt; so hat z. B. die „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" die sachgemäße Renovation des Judenbades in Friedberg angeregt und pekuniär gestützt und die Erhaltung und Beschützung der Wand« maiereien in der Synagoge in Bechhofen angeregt. Auf der anderen Seite muß aber alles getan werden, um die verborgenen Schätze ans Tageslicht zu bringen und der breitesten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die jüdischen Gemeinden und Vereine und die Privatleute müssen nachdrücklichst auf ihre moralische Verpflichtung hingewiesen werden, der Allgemeinheit die Möglichkeit zu geben, sich an ihrem Besitz zu erfreuen und zu bilden. Es muß erwartet werden, daß die also an ihr Verantwortlichkeitsgefühl Gemahnten dieser Aufforderung williger Folge leisten, als es bisher oft geschah. Der immer wieder erwähnte Grund, „man könne sich nicht trennen" ist keineswegs stichhaltig, denn die Stücke bleiben dem Inhaber erhalten, sie brauchen nicht einmal für dauernd aus seinem Besitz zu gehen. Ferner sollte anerkannt werden, daß Museen insofern ein notwendiges Übel sind, als sie die einzige Möglichkeit abgeben, weiteste Kreise an dem Genuß dieses Besitzes teilhaben zu lassen. Wenige Menschen haben Zeit, Gelegenheit und die nötige Vollmacht, um die Schatzkammern jüdischer Gemeinden und jüdischer Vereine (heute meist ein Banktresor) aufzustöbern; Privatsammlungen sind wegen der persönlichen Sicherung des Besitzers für die Allgemeinheit meist überhaupt unzugänglich. Wozu Stücke, die ein oder zweimal im Jahr von der Gemeinde benutzt werden, die übrige Zeit den Aufbewahrungsraum zieren sollen, vermag nur bürokratische Ideologie zu erklären. Ebensowenig kann man einsehen, warum defekte, dem Gebrauch also entzogene Stücke im Verließ durchaus verfaulen sollen, da sie dort wahrlich niemanden mehr nützen; nur weil der Stifter das Stück einst der Synagoge oder dem Verein zum Geschenk machte? Öffneten sich alle diese Verließe und Tresore von Gemeinden und Vereinen, hätten die Privatsammler ein freieres Herz, wir würden die auserlesensten Stücke in den jüdischen Museen zeigen können. Außerdem würden diese vergrabenen Schätze der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglicher sein und durch diese Bearbeitung den besten Schutz, durch die museale Pflege eine sachgemäße Erhaltung finden. Zeigt es sich doch immer wieder, daß die gut gemeinten Renovationen und Reparaturen meist einer völligen Zerstörung gleichen, weil die sachkundige Aufsicht dabei fehlt. Die Verschleuderung überzähliger Stücke oder die Vernichtung defekter Objekte durch untergeordnete, unwissende Organe, die häufiger vorkommt als bekannt ist, mag dabei unberücksichtigt bleiben. — Die liturgischen Bücher und Handschriften führen ebenfalls ein erbauliches Schlummerdasein, und gerade unter diesen kann eine kundige Hand kostbare Perlen vor dem Untergang bewahren Auch die tägliche Benutzung zum Lernen, Beten u. dergl. ist ein Zerstörungswerk, dessen Spuren sich niemals wieder beseitigen lassen. Seltene und wertvolle Ausgaben sollten deswegen Museen oder Bibliotheken zur Ausstellung überwiesen und durch neue Stücke ersetzt werden. —