Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 343 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Museen 343 für die wissenschaftliche Bearbeitung aller Realien der Wissenschaft des J udentums geschaffen. Wie einst Professor Täubler bei der Gründung des ,,Gesamtarchivs der Deutschen Juden" für einen kleinen Teil erfolgreich plädierte, so sollte heute auch für die Gesamtheit der Realien eine, wenn auch weniger Opfer fordernde Zusammenfassung vom Verständnis und der Bereitwilligkeit aller interessierten Kreise getragen werden. Was diese Realien für die Verlebendigung der reichlich verstaubten und philologisch überlasteten Wissenschaft des Judentums bedeuten würden, das vermag nur der zu überschauen, dem der Vergleichsfall bei den nichtjüdischen Kulturen bekannt ist. Mangelt es doch bei uns sogar an einem simplen Bilderatlas zur jüdischen Geschichte; für die biblische Zeit benutzen wir den christophilen Benzinger, für die späteren Epochen fehlen uns aber auch alle Lehrmittel. Die Wissenschaft ist auf die Benutzung von Sonderarbeiten und Festschriften angewiesen, während ihr die der Quellen fast gänzlich unmöglich ist, weil alle Vorarbeiten heute noch fehlen. Immerhin könnten wir warten, bis die nicht jüdischen Kreise wie bei der jüdischen Archäologie den Anfang machen, wenn wir dann hinterher das Nachsehen über die Erfolge haben wollen! Die moralische Verpflichtung, uns um unsere eigenen Angelegenheiten energisch zu bekümmern, scheinen wir kaum zu fühlen, denn die bei uns fehlenden Arbeiten haben wir oft für andere gemacht. Jede museale Arbeit ist insofern praktischer Heimatschutz und Denkmalspflege, als sie Interesse an den Objekten erzeugt und zumindest die Kenntnis des Wertes der Denkmäler fördert. Man braucht nicht zu bedauern, daß durch diese Maßnahmen die Händler sich der Materie bemächtigen und daß durch die gesteigerte Nachfrage die Preise steigen: jeder Handel und jede Preissteigerung ist praktischer Denkmalschutz und nützlicher als alle Verordnungen und geschraubten Maßnahmen von staatlicher und privater Seite, die den Tatsachen gegenüber stets machtlos sind. Der schlimmste und endgültige Zustand ist und bleibt die Vernichtung von Kulturschätzen der Vergangenheit, die nicht mehr ersetzt werden können. Der Wert der Objekte ist ihr natürlicher und bester Schutz, und der Handel die einzige energische Erfassungsmethode der Denkmalpflege. Gewiß ist das Denkmal am Ort selber am richtigen Platz; kann es aus technischen, politischen öder wirtschaftlichen Gründen dort nicht verbleiben, so bringt es der Handel von selber an eine geeignetere Stelle. Man vergleiche die Zustände in dieser Hinsicht bei der französischen oder bei der russischen Revolution und bei der Auflösung und Abwanderung der jüdischen Gemeinden z. B. aus Italien (nach Amerika und England) und bei den Dorfgemeinden u. a. m. — Schließlich sind alle Stücke aus dem Handel immer wieder in private oder öffentliche Sammlungen und von den ersten stets wieder in. die zweiten gewandert. Diese Zuversicht ändert natürlich nichts an der Verpflichtung, für einen ausgiebigen Schutz am Ort zu sorgen, wenn er angängig ist, was aber nur in Ausnahmefällen zutrifft. Selbstverständlich haben alle und besonders die jüdischen Museen in dieser Richtung erfolgreich ge-