Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 340 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Erich Toepli tz : 4. als Representation der jüdischen Kultur und deren Vertreter und des Judentums als Kulturfaktor dienen (Positive Abwehr). Die erste dieser Aufgaben ist sicherlich die neuste und die wichtigste, denn sie wendet sich an breite und von den jüdischen Bildungsbestrebungen verhältnismäßig vernachlässigte Massen. Die jüdische Bildung war lange Zeit religiös einseitig bedingt, und die Haskalah führte geradenwegs ins Lager der wissenschaftlichen Bestrebungen, die den breiten Massen verschlossen sind. Kein Wunder ist es, daß die nach geistiger Anregung suchenden einfachen Juden am religiös Bedingten der Neoorthodoxie so wenig Gefallen fanden wie am wissenschaftlich Bedingten der jüdischen Aufklärer. So wandten und wenden sich noch die jüdischen Massen aller Länder zu den nicht jüdischen Volksbildungsinstituten und lernen hier mit der Zeit eine freiere Welt kennen, nicht ihre jüdische, aber doch eine ihren besten Instinkten entsprechende Welt. Diese freiere Welt auf jüdischer Basis zu eröffnen, ist eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Museen, die im Sinn der Heimatkunde und Heimatpflege die Liebe zu allem, was zur jüdischen Kultur gehört, pflegen sollen. Diese Grundeinstellung ist auch zugleich ein Programm für die wichtigsten Aufgaben der jüdischen Museen, die zuerst einmal die jüdischen Denkmäler der eigenen Stadt, später die ihres Bezirkes, des ganzen Wirtslandes und dann ihres jüdischen Kulturkreises sammeln sollten. Die jüdische Kultur hat infolge der religiösen Bedingtheit ihrer Gemeinschaft hauptsächlich religiöse Denkmäler hinterlassen, neben denen politische und weltliche einen bescheidenen Raum einnehmen. Dennoch gibt es weltliche Museumsstücke, besonders Urkunden, Trachten, Bilder von jüdischen Begebenheiten, Porträts und zahlreiche weltliche Bücher und Einzelblätter; Briefe und Autogramme, ' Siegel und Wappen vervollständigen das Bild des politischen und wissenschaftlichen jüdischen Lebens. Gerade nach dieser Seite sind die jüdischen Museen wenig ausgebaut, was allerdings z. T., mit den Besitzverhältnissen der Objekte zu erklären ist. Diese mehr historischen Schaustellungen erregen aber das meiste Interesse und fördern demgemäß das Selbststudium und vertiefen das Verständnis für den bereits literarisch übermittelten Eindruck der jüdischen Vergangenheit. — Die jüdischen Kultgeräte für Synagoge und Haus sind farbenprächtiger und zahlreicher, von ihnen lassen sich auch leichter Originale und zwar solche von Kunstwert beschaffen. Die meisten vorhandenen jüdischen Museen sind deshalb auf diese jüdischen Kultgeräte oder, enger gefaßt, auf jüdische Kunstdenkmäler angewiesen und haben sich darauf spezialisiert. — Neben zahlreichen kleineren oder größeren Privatsammlungen, unter denen die Kirschsteinsche in Berlin-Nikolassee durch ihre Reichhaltigkeit und wegen ihres fast öffentlichen Charakters hervorragt, haben sich bei den größeren Gemeinden und in den öffentlichen Museen nach und nach Ausstellungsräume für jüdisches Kultgerät entwickelt. Einzig in Frankfurt a. M. besteht ein Museum jüdischer Altertümer, das ein selbständiges