Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Museen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 339 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erich Toeplitz : Jüdische Museen 339 ERICH TOEPLITZ / JÜDISCHE MUSEEN Im allgemeinen begnügen wir uns damit, durch die Vermittlung des Wortes Eindrücke in uns aufzunehmen; zu diesem Zweck lesen wir Bücher. Seltener ist das Bild der willkommene Vermittler von Eindrücken; zu diesem Ende sind den Büchern Illustrationen beigegeben, oder erscheinen selbständige Bilderbücher. Seit dem Fortschritt der technischen Vervielfältigungsmethoden (besonders der Photographie und des Bilddrucks) haben wir uns daran gewöhnt, diese mechanischen Reproduktionen als einen selbstverständlichen Ersatz für die Wirklichkeit zu betrachten, und mehr und mehr verlernt, diese selber als die einzige und wahre Quelle des entscheidenden Eindrucks zu würdigen. Unterstützt von der materialistischen Weltanschauung im allgemeinen und vom realistischen Impressionismus im besonderen sind wir fast zur völligen Verachtung der im Bilde oft scheinbar viel schöneren Wirklichkeit übergegangen. Bot die Zeichnung durch die zwischen den Beschauer und die Wirklichkeitskopie tretende Künstlerindividualität und die technische Unvollkommenheit der Ausdrucksmittel noch einen Halt gegen die Überschätzung des Abbildes, so hat das technische Zeitalter eben diese äußere Hemmung fast gänzlich beseitigt. Die innere Hemmung kann aber nur durch die Möglichkeit hervorgerufen werden, die unmittelbare Anschauung ke nnen zu lernen. Was die Natur jedermann gratis bietet, ist bei den Schätzen der menschlichen Kultur nur den Begütertsten zugänglich, die selber sammeln können. Die große Menge der Bildungshungrigen ist von der Betrachtung der Originale fast völlig abgeschnitten. Was an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden vor aller Augen steht, ist wenig, und, soweit es modern ist, leider häufig kein Kulturbringer; privater Besitz ist nur den wenigsten zugänglich. Diese Erwägung brachte die Museen zu ihrem neuen Aufgabenfeld, Bilderbücher mit Originalen zu sein, anstatt, wie früher, nur der gelehrten Spezialforschung, der schützenden Aufbewahrung oder der repräsentativen Schaustellung zu dienen. Damit sind die Museen aus ihrem wissenschaftlich, archivalisch und politisch eng begrenzten Gebiet in das weitere der allgemeinen und direkten Volksbelehrung (nicht Volksbelustigung, wie leider oft angenommen wird) getreten. Die vornehmste Aufgabe der Museen ist nunmehr eine pädagogische, neben denen die vorher genannten ein wenig zurücktreten müssen. Wendet man diese Binsenweisheit auf unser Spezialgebiet praktisch an, so erhebt man die Forderung nach Sammlungen, die: 1. der Allgemeinheit einen Begriff der kulturellen Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft geben (Volksbildung); 2. der Erforschung der jüdischen Kultur dienen (Wissenschaft des Judentums); 3der Bewahrung und Erhaltung gefährdeter jüdischer Kulturdenkmäler dienen (Denkmalspflege); 22*