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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 317

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Judentum und Volkskunst
Date
1924-01-01
Page
317 (sequence 3)
Language
German
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Judentum und Volkskunst 317 und Propheten und die anderen heiligen Schriften — weder positiv noch auf direktem Wege beantworten. Funde als Ergebnis von Ausgrabungen in der alten Heimat der jüdischen Stämme sind uns nicht bekannt; und so ist das Vorhandensein einer alten autochthonen jüdischen Volkskunst literarisch und urkundlich unausgesprochen. Gewiß hat das alte Judäa und Israel kunstgewerbliche Erzeugnisse geliefert — Stiftzelt und Tempel Salomos —, gewiß war es in den orientalischen Wirkereien, in der Töpferei und Schmiedekunst ebenso zu Hause wie seine Nachbarvölker. Allein diese Dinge gehören nicht in das Bereich solcher Künste und Erfahrungen, denen der ästhetische Anspruch zugestanden werden muß. Sie bleiben ausgeschlossen von dem heiligen Bezirk, in dem die Urströme sittlich-religiöser Volksverbundenheit fließen. Über die Existenz dieser Kunstgattung lassen uns die Überlieferungen im Dunkel. Und doch beglaubigen sie wiederum, daß das jüdische Volk Bildnerei getrieben und lange Zeit, ja bis zur ersten Austreibung, nicht aufgehört hat, die Bildsäulen und Bildnisse anzubeten, die seiner religiösen Phantasie entnommen waren. In fast allen Betrachtungen über die Haltung der Könige finden wir es bestätigt. Um einzelne Beispiele zu geben . . . „Er diente dem Baal und betete ihn an, und er erzürnte den Ewigen, den Gott Israel, ganz wie sein Vater es getan." . . . oder . . . „Er tat das Böse in den Augen des Ewigen und opferte wie sein Vater auf den Höhen" . . . oder ... ,>Und sie stellten Standbilder auf und Astarten auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum . . ." Das Buch Samuel und die Stimme der Propheten bestätigen das reichliche Vorhandensein von Götzenskulpturen und Schmuckgerät für Götzendienst. König Salomo hat den Göttern seiner Frauen Tempel erbaut. Da Götzendienst Anbetung von Statuen voraussetzt, die sich die Kultgemeinschaft selber formt und errichtet, so ist jeder Beweis altjüdischer Kunstzeugung überflüssig. Die künstlerische Höhe der Erzeugnisse läßt sich leider nicht feststellen, da unserer Prüfung und Würdigung keine Gegenstände jener Kulte Übermacht sind. Allein es muß aus dem unermüdlichen Bildnerwillen der Götzenanbeter — und zu diesen muß der größte Teil des Volkes gerechnet werden, wenn selbst die Könige nicht in die Bahn des mosaischen Gesetzes einbiegen wollten — geschlossen werden, daß der Schöpferdrang und die künstlerische Potenz ebenso stark waren wie die religiöse Neigung. Mir scheint es, daß der Hang zur Bildnerei besonders lebendig gewesen sein muß: sonst hätte das Volk seine religiöse Erfüllung ohne erhebliche Weigerung in der mosaischen Form hingenommen. Den schlagendsten Beweis für den lebhaften eminent aktiven Kunsttrieb der Juden strahlen die beiden folgenden Gesetze aus: Mos. 20, 23 und Mos. 20, 4. „Ihr sollt nichts neben mir machen; silberne Götter und goldene Götter sollt ihr nicht machen." .... „Du sollst dir nicht ein Götzenbild machen, noch irgend ein Abbild des, was im Himmel droben und was auf Erden drunten und was im Wasser unter der Erde" ... Es fällt auf, daß diese beiden göttlichen Verfügungen Dinge verbieten, die in allen Bekenntnissen

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