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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 311

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft Spinozas
Date
1924-01-01
Page
311 (sequence 17)
Language
German
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IRI
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Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft 3ii Was den religiösen Nationalismus betrifft, so hätte sich Spinoza allerdings besser nicht auf 2. Chr. 32, 19 berufen — diese Stelle beweist, was sie beweisen soll, schlecht, wie Cohen mit Recht bemerkt — sondern etwa auf Dt. 4, 19—20; Ri. 11, 24; Jer. 2, 11. — Es ist keineswegs selbstverständlich, daß im Abrahams-Segen tt^ai als Passiv zu verstehen ist. 5. das Politische gegenüber dem Religiösen: Die Religionsgeschichte ist eine Funktion der politischen Geschichte. Hier allerdings in dem engeren Sinne verstanden: Die Religion ist ein Mittel für politische Zwecke. Cohen sieht einen Widerspruch darin, daß Spinoza, wiewohl er die Ankündigungen des Untergangs des hebräischen Volkes als „direkte Prophezeiungen nimmt", und als erfüllte Prophezeiungen, dennoch das den Ankündigungen widerstreitende Weiterleben des Volkes in der Zerstreuung zu begründen versucht. Der Widerspruch hebt sich, wenn man an Spinozas Ansicht denkt, daß mit dem durch politische Fehler des Volkes herbeigeführten Untergang des hebräischen Staates das Weiterleben des Volkes politisch sinnlos, damit überhaupt sinnlos geworden ist — denn die wahre Religion ist nicht national —tund nur noch in der Absonderung der Juden und dem Haß der Völker seinen Grund hat. Diese Ergebnisse der Bibelwissenschaft Spinozas sind die Veranlassung für Cohens aggressive Abwehr. In einzelnen Punkten weist sie mit Glück Übertreibungen Spinozas zurück, die nicht durch dessen Methode gefordert sind und von denen es daher dahingestellt bleiben mag, ob sie in sachlichen Irrtümern oder in bösen Absichten begründet sind. Hält man sich an die wesentlichen Ergebnisse, so kann man sagen, daß man auch ohne böse Absicht auf sie hätte kommen müssen. Mag Spinoza in diesen Ergebnissen ein vernichtendes Urteil über das Judentum gesehen haben, mag er sie selbst in der Absicht der Vernichtung gefunden und dargestellt haben, mag selbst wahr sein, daß nur ein durch eine „menschlich unbegreifliche4' Entfremdung geschärfter Geist zu ihnen kommen konnte, — sie haben ihre von solchen persönlichen Voraussetzungen unabhängige Wahrheit. Also: Die wesentlichen Ergebnisse der Bi^elwissenschaft Spinozas sind hinreichend in der faktischenBeschaffenheit desGegenstandes dieser Wissenschaft motiviert. IV. Wir haben uns gegen Cohens Berufung auf die jüdischen Beziehungen Spinozas wehren müssen, da Cohen in diesen Beziehungen, wie die Dinge liegen, eine Belastung für die Sachlichkeit der Spinozischen Bibelwissenschaft sah. Es mußte gezeigt werden, daß der Zweck, die allgemeine Disposition der Probleme, das Ergebnis der Untersuchungen des Traktates sich ohne jede Rücksicht auf Spinozas empirische Beziehungen zum Judentum verstehen lassen. Insofern ist der Traktat ein christlich-europäisches, kein jüdisches Ereignis.

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