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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 308

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft Spinozas
Date
1924-01-01
Page
308 (sequence 14)
Language
German
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Leo Strauß: hört, und dabei macht auch Mose keine Ausnahme." Dies soll die Auffassung Spinozas sein. Bei diesem lesen wir: „Darum kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die übrigen Propheten keine wirkliche Stimme gehört haben", während allerdings Mose eine solche gehört hat. — Cohen: „Aus 2. B. M. Kapitel 25, Vers 22, den er hebräisch anführt, will er beweisen, ,daß Gott sich einer wirklichen Stimme bedient hat*. Ebenso bei Samuel 1 Kapitel 3." Zu dieser Stelle sagt Spinoza: „Weil wir aber einen Unterschied zwischen der Prophetie des Moses und derjenigen der übrigen Propheten machen müssen, so müssen wir notwendig die von Samuel gehörte Stimme für imaginär erklären, wie man es auch schon daraus entnehmen kann, daß sie der Stimme des Eli gleichkam . . . ." Es ist allerdings zuzugeben, daß von der Ungenauigkeit in der Wiedergabe der Gedanken Spinozas in diesem Zusammenhang nichts abhängt. Denn es genügt für Cohen, daß Spinoza meint: Die Schrift lehrt an zahlreichen Stellen deutlich die Körperlichkeit Gottes, und daß er diese Meinung noch verdeutlicht durch die andere, das Bilderverbot involviere nicht das Gebot, an die Unkörperlichkeit Gottes zu glauben. In diesem Punkte berührt sich Spinoza mit dem großen Gegner des von Cohen hoch verehrten RMbM, dem RAbD, der dem RMbM entgegenhält: Größere und bessere Männer als er seien der Ansicht von der Körperlichkeit Gottes gefolgt, gemäß dem in der Schrift Gelehrten. Diese Äußerung beweist, daß die von Spinoza aus der Bibel herausgelesene Ansicht auch ohne böse Absicht aus ihr herausgelesen werden kann. Wir kommen jetzt zum Hauptpunkt. Spinoza lehrt: Moses hat mit Gott von Angesicht zu Angesicht, also wie Körper zu Körper gesprochen, hingegen Christus mit Gott wie Geist zu Geiste. Offenbar ergibt sich diese These nicht unmittelbar aus der bibelwissenschaftlichen Methode Spinozas, welche auf der „exegetischen Grundregel" fußt. Diese Methode würde durch die etwaige Unsachlichkeit der religionsvergleichenden These Spinozas ebensowenig widerlegt, wie das Kausalgesetz durch ein verunglücktes Experiment. Man hätte gemäß der Methode das Neue Testament genau so zu untersuchen wie die Bibel, und wenn in ihm tatsächlich nicht davon die Rede ist, daß Christus Gott gesehen oder gehört hat — nun, so werden wir uns damit abfinden müssen. Darin läge ja durchaus keine Herabsetzung des Judentums, denn das Judentum ist mit den primitiveren Stufen der Bibel durchaus nicht identisch, vielmehr kommen für es ebenso sehr die „wichtigen und zugleich interessanten Aufklärungen" des Thalmuds und der Theologen in Betracht. Zudem ist die Spiritualität der Vorstellungen des Neuen Testamentes nur durch die spiritualisierende Tendenz der Prophetie ermöglicht worden. Läßt sich aber die fragliche These Spinozas gegenüber dem Neuen Testament nicht aufrecht erhalten — nun, so hat sich Spinoza durch „seine Pietät für Christi Leben" (Cohen) zu einem Irrtum verleiten lassen. Diese „Pietät" wäre vielleicht genauer dahin zu bestimmen, daß Spinoza aus Erwägungen philosophischer Art dem Christen-

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