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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 299

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft Spinozas
Date
1924-01-01
Page
299 (sequence 5)
Language
German
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Cohens Analyse der Bibel-Wissenschaft Spinozas 299 den Bann aufbewahrt hat, um ihn in dieser staatsphilosophischen Schrift auf Grund einer philologischen Bibelforschung zu ergießen". Immerhin wird zugegeben, daß die „philologische Bibelforschung" eine Voraussetzung für das „Austoben des alten Grolles" ist. Es besteht also eine gewisse Loslösbarkeit des schlimmen Zweckes von dem Mittel, gegen das Cohen an sich nichts einzuwenden haben dürfte. Das Mittel wird in den Dienst des Gedankens, „daß die von Mose gestiftete Religion des Judentums vielmehr nur die Errichtung und Erhaltung des jüdischen Staates bezweckte", gestellt. Und dieser Gedanke ist für Cohen satanisch, während er es durchaus nicht für satanisch, sondern für göttlich gehalten hätte, wenn einer sagte, die Religion des Judentums bezwecke nur die Errichtung und Erhaltung des sozialistischen Staates. Doch das gehört nicht hierher, es soll nur ein Hinweis auf Cohens eigentliche Tendenz in seiner Kritik am Traktate sein. Das Sakrileg Spinozas besteht nach Cohen also, kurz gesagt, in der Politisierung der jüdischen Religion (in dem oben angegebenen Sinne). Das Motiv für diese ist der Wille zur „Vernichtung des jüdischen Religionsbegriffs", und dieser Wille ist, mindestens zum Teil, bestimmt durch den aufbewahrten Groll über den Bann. — Hier empfiehlt es sich auch einmal für uns, die „unparteiische Seite" heranzuziehen. Sie belehrt uns: „Die Trennung der geistlichen und weltlichen Gewalten im hebräischen Staate war das stehende Argument für die Anmaßung der calvinistischen Orthodoxie. Ihr zu entgegnen, bestreitet Spinoza, daß diese Trennung die Meinung des mosaischen Gesetzes gewesen, und sucht nachzuweisen, daß aus der priesterlichen Unabhängigkeit und selbst aus der Institution der Prophetie das größte Unheil für den Staat die unausbleibliche Folge gewesen sei. In diesem Punkte ist Spinozas Auseinandersetzung mit dem Judentum mit dem innersten Zwecke des Traktates völlig ein s." Also auch hier gibt es für die sachliche Prüfung keinen Grund, nach Motiven außer den „pflichtmäßigen" zu suchen. Spinoza will die aus dem Nebeneinander der beiden Gewalten entspringenden Beeinträchtigungen des staatlichen Lebens bekämpfen; die Verteidiger dieses Nebeneinander stützen sich auf die Geschichte der hebräischen Nation; es muß also ad hominem gezeigt werden, daß dieses Nebeneinander nicht heilsam gewesen ist, daß die biblischen Vorbilder der geistlichen Gewalt entweder nicht „geistlich" oder nicht vorbildlich gewesen sind. Die Pathetik des Rachedurstes braucht zur Erklärung dieses durchaus klaren Zusammenhangs, der sich selber trägt, nicht in Anspruch genommen zu werden. Wir haben oben gesehen, daß Spinoza gewissermaßen die Neutralität des Philosophen gegenüber Staat und Kirche durchsetzen will. Wie reimt sich damit zusammen, daß er nun für den Staat gegen die Kirche Partei ergreift? Muß man da notwendig an die zweihundert Gulden denken? Die Parteinahme hat ihren sachlichen Grund darin, daß Spinoza den religiösen Verbänden aus prinzipiellen Gründen den Charakter der „geistlichen Gewalt" absprechen muß, während er aus nicht weniger prin-

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