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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Bei den Kommunisten in En Charod
Date
1924-01-01
Page
286 (sequence 3)
Language
German
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286 Albert Mauräber:' stocken bepflanzt; ein geometrisch angelegter Eukalyptushain an der Straße; als Hintergrund der Talschluß und die transjordanischen Berge — dies ist der Anblick der Siedlung. Bei der Gilboaquelle steige ich ab. Hier ist der Ott Hier ist alles Sumpf gewesen, hier ist das entscheidende Werkstück des jüdischen Sozialismus getan worden. Die Quelle, in einer geräumigen Felsgrotte, ist durch ein eisernes Gittertor abgeschlossen; auf drei Wegen wird ihr Wasser, teils offen, teils in Zementröhren, weggeführt, bis dorthin, wo sie sich zum Bache vereinigen. Ein Pumpwerk ist erbaut, welches — wie ich später erfahren habe — mit dem Wasser dieser Quelle alle übrigen Nurrissiedlungen versorgt. Links vor dem Eingang in die Kolonie befindet sich eine fortartige Verschanzung aus Sandsäcken — man war auf Kämpfe mit den Arabern vorbereitet, die ausgeblieben sind. Damals waren die Effendis am Bodenverkauf interessiert und haben über dem Geschäft die nationale Phrase vergessen. Seither aber haben die Männer von Nuris die Sympathien der arabischen Nachbarn gewonnen, für dh sie eine Apotheke errichtet haben und denen sie ärztliche und wirtschaftliche Hilfe geben. Die verspätet einsetzende Hetze der Effendis verpufft oder repräsentiert sich in großartiger Geste. „Bolschewiken" nennen die Effendis der Familie Hadi die Leute von En Charod und sie reiten an der Kolonie vorüber, ohne ihre Tiere im Bach zu tränken. Ich sah: volle, intensive Arbeit. In den Magazinen wird sortiert, gewogen, geordnet; in der Schmiede hämmern fünf Burschen, und nebenan, in einer großen Tischlerei, arbeiten doppelt soviel. Einer sortiert altes Eisen in einer Kammer und ein anderer reinigt die Geräte. Ich sprach niemanden an, ging von Arbeitsstätte zu Arbeitsstätte — überall Arbeit, Arbeit! Im Speiseraum stehen entlang den hölzernen Wänden lange Bänke und Tische, an einer Schmalseite ein erhöhtes Podium. Es war nach dem Essen, Mädchen räumten das Geschirr ab. Wie eine schwarze Decke bewegten sich über den Tischen die Fliegenschwärme. Ich grüßte. Ein Mädchen fragte mich hebräisch und dann deutsch, ob ich schon gegessen habe, und als ich verneinte, brachte sie mir zu essen. Ich trank und wurde erquickt; nirgends in Palästina hatte ich so kaltes und wohlschmeckendes Wasser getroffen. Nach dem Essen ging ich zu L., dem Führer der Gruppe. Er lag in seinem Zelte auf einer Strohmatte und plauderte mit seiner blonden sympathischen Freundin RaheL Sie nahmen mich herzlich auf und erzählten mir bereitwillig, was ich über die Wirtschaft wissen wollte. Später führten sie mich zur Quelle und erzählten von der Arbeit, die zur Drainage nötig gewesen war. L. hat eine Versuchsstelle angelegt, wo er Exotika akklimatisiert: die ägyptische Papyrusstaude, indischen Topinambur (Erdbirne), mesopotamischen Bambus, kalifornischen stachellosen Kaktus, virginischen Tabak, verschiedene Essig- und Pfefferbäume. Er macht seine Versuche als Wirtschaftler, der bestrebt ist, höchstrentable Produkte zu erzeugen, unabhängig

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