Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Bei den Kommunisten in En Charod
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 285 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Bei den Kommunisten in En Charod 285 Vor einigen Tagen habe ich zwei arabische Sprichwörter über den Esel gehört, heute erlebe ich deren Wirklichkeitsfolie. „Der Esel ist kein Pferd." Und: „Esel und Nargileh müssen angetrieben werden, damit sie sich rühren." Arabertrupps begegnen uns; einzelne mit bepackten Eseln; mehreremal die gleiche Gruppe: ein Mann reitend, hinterher die Frau; Warentransporte, bestehend aus drei oder fünf schwerbeladenen Kamelen, die von einem kleinen Esel geführt werden. Hadi erkundigte sich jedesmal nach dem Wege; zuletzt wahrscheinlich nur zum Zeichen unserer Friedlichkeit. Auf einer Anhöhe wurde der Emek Jesreel sichtbar, das außerordentlich fruchtbare, ganz flache Tal zwischen Haifa und der Jordanniederung. Ich kam von Süden und sah es links liegen, weithin bis zu den Hängen des Karmel, im Norden vom Thabor begrenzt und von der nach Akko ziehenden Hügelkette. Die Luft, von Sonnenglut zitternd, ist doch klar, und alle Teile der Ebene sind gut sichtbar: die Lehmblöcke der Fellachenhäuser von Afule, eng aneinander gebaut auf einem Hügelchen, von alten Kaktushecken umzäunt; gegenüber die jüdischen Kolonien Neu-Balfouria, Balfouria, ferner Kwuzah und Siedlung Merchawja, letzte am Fuße des kleinen kegelförmigen Tabor, mit schönem zwanzigjährigem Baumstand; vereinzelt Gehöfte, um sie mächtige Haufen Weizen; Herden und Hirtenhütten aus Strohmatten, verräucherte und luftige Wanderbauten. Es ist jetzt Dürrsommer; seit Monaten hat es nicht geregnet und die Schattentemperatur ist am Tage nicht unter 340 gesunken — trotzdem ist die Farbenpracht des Emek groß, überall eigenartig. Die weiten Felderflächen teilen das Land in helles Grün der Durrapflanzung, in Braun der verdorrten Disteln und des aufgesprungenen Bodens, in Gelb der Weizenstoppeln. Die Disteln glänzen silberfarben und graugelb; blitzende Fäden ziehen von ihnen überallhin und machen die Landschaft unruhig. An vielen Stellen wird das Bild zum Mosaik durch gehäufte rote, blaue und violette Farbenflecke. Aber alle Hast auf den Flächen wird von den Hügeln aufgehalten, von ihrer weißen, grauen, braunen Kreide, von ihren sehr sanften, gewellten, kuppeligen Formen. Vom letzten Hügel aus erblicke ich Nuris. Erst das Araberdorf auf dem Berge und dann den gleichnamigen jüdischen Siedlungskomplex im Tale. Auf einer geneigten Fläche Kfar Jecheskiel (En Tarboun), rechts davon die Kwuzath Hagiwah, erstes die zwei Jahre alte Genossenschaftssiedlung *nit halbfertigen Gehöften, letzte eine kleinere kommunistische Gruppe — größtenteils aus Bulgaren zusammengesetzt — die in einem Zeltlager um einige Steinbauten wohnt. Das Areal, das zu diesen Siedlungen gehört, reicht hier über die ganze Breite des Tales und ist in einem Streifen von Eukalyptusbäumen umpflanzt. Über einen steilen Hang kommen wir auf die Straße, schlagen erst einen falschen Weg quer über die Felder ein, bis ich rechts um die Ecke En Charod «rkenne und den Esel herumlenke. Ein großes Zeltlager in mustergültiger Anordnung — ich kann zwischen den Reihen hindurchblicken; ein Hang, ebenso peinlich genau mit Wein-