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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 283

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
283 (sequence 18)
Language
German
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Zionistische Krise und Jüdischer Bund 283 Volkes von dem wirklichen; um dieses Unheil abzuwehren, scheuen die Mitglieder des Bundes nicht, die intellektuellen Zentren des jüdischen Lebens zu verlassen, mit der aristokratischen Geisteseinsamkeit zu brechen, um in die großen, kleinen und kleinsten Zentren des konkreten jüdischen Lebens zu gehen, ünd, im Volke zerstreut, in unmittelbarem Kontakte mit ihm, sein Leben auch äußerlich, in seiner Arbeit, in seiner Armut und Einfachheit teilend, den Geist auf die Feuerprobe zu stellen und die jüdische Misere mit dem Geiste zu beleuchten. Das macht weiteres Opfer - nötig: in diesem, in der Diaspora vielleicht wichtigsten Schritte des Bundes liegt eine gewollte Selbstbeschränkung, nicht nur gesellschaftliche, sondern manchmal auch geistige, nicht allerdings in dem Sinne, daß geistige Werte preisgegeben, degradiert, angepaßt werden, aber in dem Sinne, daß man auf die Laufbahn eines Künstlers, eines Wissenschaftlers, eines Literaten — auch wenn man dazu die Kräfte fühlt — verzichtet, um Elementarlehrer oder Fabrikarbeiter zu werden, im Bewußtsein, daß heute das jüdische Volk — und nenne man das auch geistige Kastration — nicht so sehr Künstler und Wissenschaftler wie Männer von Willen und Charakter braucht. Im Zentrum der Tätigkeit des Bundes steht aber Palästina; alles muß seitens des Bundes getan werden, damit die palästinensische Kolonisation ihren volkhaften, ihren erneuernden Charakter nicht verliere — und das hängt nicht so sehr davon ab, aus wessen Geld Palästina aufgebaut wird, sondern davon, welcher Geist es baut. Das nationale Kapital kann von vornherein die palästinensische Siedelung in gesunde Bahnen lenken — es ist vorzuziehen; das anationale, das nicht zionistische Kapital fügt sich — den schlimmsten Fall gesetzt — diesem Gdste nicht, aber es gest attet, so und so viele Siedler in Palästina einzuführen. Vom Bunde hängt es ab, ob diese Siedler ihr Werk als das Werk des menschlichen und sozialen Erneuerns auffassen und erfüllen. Die Mitglieder des Bundes müssen als erste da sein, wo die schwersten Opfer zu bringen sind, wo der schwerste Kampf auszufechten ist. Diejenigen, die das Land aus Verzagtheit oder Hunger verlassen, müssen durch Mitglieder des Bundes ersetzt werden; die Einreisezeugnisse, die in Palästina-Ämtern nicht abgeholt werden, müssen von Mitgliedern des Bundes ausgenützt werden. Die Bilu-Bewegung und die Alijah von 1906 und 1918—20 sind aus äußeren Umständen, infolge der Pogromwelle und der russischen und mitteleuropäischen Revolutionen und Zusammenbrüche entstanden; dem Bunde liegt es ob, den Geist dieser Alijah fortwährend, auch bei normalen äußeren Verhältnissen, aufrecht zu erhalten und durch tagtägliches Beispiel zu nähren. Dem Bunde liegt es ob, das, was bis jetzt nur als eine halbbewußte Tendenz, als ein dunkles Gefühl im Zionismus lebte, zum Wesen des Zionismus zu erheben. Und immer und überall gilt es Verteidigung der Ehre und der Würde des jüdischen Volkes. Das äußerste Einsetzen für die Wahrung und die weitere Entwicklung des jüdischen, geistigen und nationalen, Gutes und. seines Werkzeuges, der Sprache — dies ist ihm eine Selbstverständlichkeit.

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