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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 284

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
284 (sequence 19)
Language
German
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284 Albert Maurüber: Der jüdische Bankier in New York, der Handwerker in Warschau, der Literat in den Kaffeehäusern von Berlin und Wien, der Börsenspieler und der fromme Chassid, der assimilierte Westwissenschaftler und der assimilierte Kommissariats-Beamte des kommunistischen Rußlands, und^ auch der Araber in Jerusalem und der Araber in Mekka und Damaskus, und auch der englische Lord und der englische Arbeiter, vor allem aber und hauptsächlich die jüdische Jugend, die Opfer- und Begeisterungsmöglichkeiten bei fremden Göttern sucht — sie sollen wissen und fühlen, daß die zionistische Bewegung keine bloße Ideologie, am wenigsten eine Sache der Phraseologie und der Literatur ist; daß es in der Welt so und so viel — Hunderte? Tausende? Zehntausende? — Menschen gibt, denen der Zionismus eine Lebenssache ist, die fest entschlossen sind, und diesen Entschluß nie preisgeben werden, auch mit Einsatz ihres Lebens den Zionismus zu verwirklichen, die das jüdische Palästina wollen, wirklich richtig wollen und die das Volk lehren werden, w i e man es will. Der Bund ist eine Phantasie. Vielleicht wird er auch eine Phantasie bleiben. Vielleicht auch nicht. Die zionistische Bewegung wird aber nicht gesunden, wenn sie nicht mit seinem sittlichen Tat- und Opfergeiste durchtränkt wird. ALBERT MAURÜBER / BEI DEN KOMMUNISTEN IN EN CHAROD (Aus dem „Palästinensischen Tagebuch") Von Jinin, der Stadt der dreitausendköpfigen Familie Hadi, ritt ich auf einem Esel ins Hügelland. Abdul Hadi, der Besitzer des Tieres, ging hinterher. Ich hatte den Esel gemietet, weil kein Führer ohne Reittier zu bekommen und ein Begleiter wegen der gereizten Stimmung der Araber nötig war — nun überließ es Abdul, der den Weg nicht gut kannte, dem Tiere, sich zurechtzufinden. Er selbst folgte, knieweichen und leicht schwankenden Schrittes, und sang. Von Zeit zu Zeit stieß er einen der üblichen Zischlaute aus, um sein Tier zu ermuntern und als das Tempo immer mutloser wurde, reichte er mir einen kurzen scharfkantigen Stab, damit ich die landessittliche Roheit besorge: dem Tiere durch Druck und Stich hinter die Ohren seine dem Eigentümer bezahlte Pflicht in Erinnerung zu halten. Aber an diesem Tage sollte der Esel tun, was er wollte — er tat es, Schritt urnfSchritt. Zum Stehenbleiben ließ es Abdul nicht kommen; so oft dieses Ereignis drohte, erzeugte er einen riesigen Lärm aus Flüchen und Liebkosungen, dann legte der Esel die Ohren nach rückwärts und schritt erschreckt weiter.

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