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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 282

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
282 (sequence 17)
Language
German
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282 Moses Beilinson: der Willenserziehung des jüdischen Volkes und vor allem seiner Minderheit, seiner Vorhut liegen. Diese Erziehung kann weder durch Aufsätze noch durch Reden, weder durch kulturelle Arbeit noch durch bloße Eroberung der zionistisch-politischen Positionen verwirklicht werden. Was am meisten zu dieser Erziehung beitragen kann, ist die wachsende Kolonisation in Palästina; aber auch sie wird nicht imstande sein, das wahre Ziel — die Erzeugung des Palästina-Willens beim jüdischen Volke — zu erreichen, wenn sie ganz und gar auf Finanzierung seitens der nicht direkt interessierten Kreise aufgebaut wird. Die geistige Arbeit und die planmäßige nüchterne Kolonisation (nennen wir sie so) sind wertvolle Hilfsmittel der Erziehung, ihr souveränes Werkzeug ist aber die unmittelbare Tat, das Beispiel, heroisches Leben der Minderheit, die mit Zucht, Aufopferung, Ausdauer ihr Werk so lange fortsetzt, bis die große Masse des Volkes seiner Vorhut folgt. Somit ändert sich das Zentrum der Arbeit. Der Feind ist nicht mehr die palästinensische Administration und die Weißbücher, nicht die Araber, nicht der Mangel an technisch-organisatorischen Fähigkeiten der Organisation; der Feind ist nicht einmal die Unkenntnis der Juden gegenüber ihrer wahren Lage, ihr Verkennen der Labilität des Galuth und der Galuth - gefahren; der Feind ist nicht einmal die Assimilation. Der Feind ist die Passivität, die Trägheit, die Gleichgültigkeit, das skeptische Lächeln, die billige Ironie, der Dogmatismus, die Phraseologie, das Sich-Gehenlassen, der Glaube, daß alles von selbst gut werden will, die Bequemlichkeit, die Überzeugung, daß das „Volk in Waffen" mit Geldspenden sein Werk getan habe. Der Feind ist also nicht außerhalb, sondern innerhalb des Judentums und oft genug innerhalb der Zionistischen Organisation. Es ist selbstverständlich, daß der Bund seine Erziehung bei sich selbst anfängt — darin besteht eben zum großen Teile seine Erziehungsarbeit am jüdischen Volke. Das Leben seiner Mitglieder ist von dem Gedanken und Getühl bestimmt, daß die Befreiung des jüdischen Volkes einen unmittelbaren Bruch mit der Vergangenheit bedeutet. Keiner der Bundesmitglieder führt ein Leben, das im Gegensatze steht zu den Idealen, die der Bund für das ganze jüdische Volk hegt. Das produktive soziale Leben, das sittliche Leben ist also die erste Forderung, die der Bund an seine Mitglieder stellt, — und zwar sowohl im Galuth wie in Palästina. Der Bund geht von dem Gedanken aus, daß die Wiederbelebung Israels von seinen Kindern Aufopferung verlangt, und seine Mitglieder sind deshalb jeden Moment bereit, mit allen Äußerlichkeiten des Lebens zu brechen, alles Ruhige und Gewohnte zu verlassen, um an die Posten, die in diesem Momente als die notwendigsten, als die gefährlichsten, erscheinen, zu eilen, seien diese Posten auch mit Verlust der bis jetzt im persönlichen Leben gewonnenen Stellung, selbst mit Verlust des Lebens verbunden. Der Bund sieht mit Schrecken die Kluft, die zwischen dem modernen jüdischen Geiste, speziell wie er sich in zionistischer Ideologie äußert, und dem jüdischen Volke sich bildet, das Lostrennen des Judentums von der Judenheit, des metaphysischen

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