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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 281

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
281 (sequence 16)
Language
German
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Zionistische Krise und Jüdischer Bund 281 Palästina aufzubauen, und insoweit das propalästinensische Lager ohne diese Triebkraft kaum die Ausdauer in sich finden wird, um die schwere Arbeit durchzuführen. Wir haben aber gesehen, daß damit die Aufgabe des Zionismus — vielleicht zwar die der Zionistischen Organisation — sich noch nicht erschöpft. Neben der Zionistischen Organisation muß also eine andere Kraft erstehen, die die unmittelbare Erziehung des jüdischen Volkes zur Aufgabe hat. Aus der zionistischen Minderheit muß sich noch eine neue Minderheit absondern, aus den Ausdauerndsten, Zuchtwilligsten, Ergebensten bestehend. Diese Minderheit in der Minderheit muß es übernehmen, die Vorhut des jüdischen Volkes zu sein. Und nun stellen wir uns vor, daß diese Vorhut sich gebildet hat. Welche Arbeit liegt ihr ob, aus welchem Geiste hatte sie zu handeln? Es ist klar, daß die ganze geistige Arbeit, die ganze praktische Erfahrung der zionistischen Bewegung von dieser aktiven Minderheit, nennen wir sie der Kürze wegen „Bund", aufgesogen und bearbeitet sein muß. Die geistigen Strömungen, die den Zionismus während der letzten Jahrzehnte beeinflußten, die Krise, durch welche Europa durchgegangen ist, können nicht ignoriert werden — was erlebt wurde, ist erlebt. Der Bund muß sich dessen bewußt sein, daß die zionistische Bewegung nur als eine menschlich-erneuernde, revolutionäre — hätte man keine Angst vor den Worten, sollte man direkt sagen: als religiöse Bewegung möglich ist, die zum Ziele die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes in seiner geschichtlichen Heimat hat, damit es auf diesem einzig möglichen Wege seinen Platz in der menschlichen Befreiungs- und Erlösungsbewegung einnimmt. Er muß sich weiter dessen bewußt sein, daß diese erneuernde Bewegung nur möglich ist, indem das jüdische Volk sich auf die Wege der produktiven Arbeit stellt und mit seiner Vermittlungs-, Handels-, Spekulations-, Finanz- und Börsenvergangenheit bricht. Er muß sich weiter dessen bewußt sein, daß jede Revolution eine Erneuerung, ein Wiederbeleben eines Feuers ist, das einmal geleuchtet hat, heute aber verschüttet ist; die jüdische Erbschaft muß wieder dynamisch werden; der Geist der jüdischen Erneuerung, wenn nicht die Formen und der Inhalt, liegen in jüdischer Vergangenheit. Er muß sich auch des konkreten Rahmens, in welchem die jüdische Revolution, die nationale Kolonisation von Palästina, verläuft, bewußt sein; deshalb müssen die Formen seiner Arbeit der durch die Geschichte gegebenen Wirklichkeit entsprechen. Aber nicht darin liegen die Linien des Auseinandergehens zwischen dem Bunde und den in der zionistischen Bewegung schon vorhandenen Strömungen; ideologisch hat er nichts Neues zu bieten. Das Auseinandergehen beginnt mit der Wertung des gegenwärtigen Augenblicks, der dem Bunde als geradezu katastrophal erscheint, mit der offenen Anerkennung, daß das jüdische Volk nicht in dem Maße, wie es für das Gelingen des Werkes nötig war, auf die ihm dargebotene Möglichkeit geantwortet hat, daß die wahren Ursachen der Schwäche der Bewegung nicht außerhalb, sondern innerhalb der Bewegung selbst zu suchen sind, und daß diese Ursachen in mangeln-

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