Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Zionistische Krise und Jüdischer Bund
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 280 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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28o Moses Beilinson: Problem besteht aber letzten Endes nicht in der Eroberung der politischen Positionen, sondern in der Eroberung des jüdischen Willens; deshalb ist das Ziel des Aktivismus, abgesehen davon, daß es, auch rein politisch betrachtet, kurzsichtig ist, fehlerhaft und selbst bei günstigstem Ausgange nicht imstande, das Problem zu lösen. Von seiner rein politischen Einstellung irregeführt und durch Beispiele des europäischen Kampfes rein formal beeinflußt, sieht der Aktivismus seine Hauptaufgabe in militärischer Ausbildung und eventueller militärischer Verwendung der jüdischen Jugend, was mit wirklichen Aufgaben der zionistischen Tat, die nicht in Eroberung oder Befreiung eines Landes, sondern in seiner Besiedelung besteht, in keinem notwendigen Zusammenhange steht und durch die geschichtlichen Umstände der Koloniation nicht gerechtfertigt wird. Somit hat auch der Aktivismus, in dem gleichfalls instinktmäßig die richtige Einschätzung der Lage, das Gefühl lebt, daß die Bewegung in Geistesakademie oder Geldsammlungswerkzeug auszuarten droht, den Weg verfehlt. Diese Tendenzen der zionistischen Bewegung müssen wiederaufgenommen werden — im Bewußtsein dessen, daß das zionistische Problem in viel höherem Grade als alle anderen Befreiungsbewegungen kein soziales, kein ökonomisches, kein organisatorisches, kein technisches, kein geistigkulturelles Problem ist, sondern das sittliche Problem des jüdischen Charakters und seiner Erziehung zur Tat und durch die Tat* Es ist das Problem der Gesundung des jüdischen Volkes. Man muß aber sich darüber im klaren sein, daß diese Erziehung nicht auf einmal geschehen kann. Je tiefer wir die heutige mangelnde Vorbereitung der Juden betrachten, je klarer wir das Willensproblem als das entscheidende zionistische Problem erfassen, desto mehr verstehen wir, wie unendlich viel zu tun ist, wie lange, vielleicht Generationen durch, die Erziehung dauern kann, wie viel Opfer sie verlangen wird. Sie darf aber nicht im Widerspruche mit den Forderungen des Momentes stehen. Einerseits zwingen, wie oben schon gesagt, die politischen Umstände dazu, den Aufbau Palästinas mit allen Kräften zu unterstützen; andererseits sind wir zu der Erkenntnis gelangt, daß dieser wirtschaftliche Aufbau, auch mit besserer Finanzierung, an sich noch keine erschöpfende Lösung der zionistischen Krise darstellt, welche Lösung vielmehr in der Erziehung des jüdischen Volkes zu suchen ist. Daraus ergibt sich, daß in der Bewegung eine gewisse Arbeitsteilung nötig ist. Nicht alle können Keren-Hajessod- Werber und zionistische Beamte werden und nicht alle dürfen es werden. Die Entwicklung der zionistischen Organisation in letzter Zeit tendiert zur Verwandlung der Organisation, zusammen mit den Instituten, die sie geschaffen hat oder mit welchen sie verbunden ist — Keren Kajemeth, Keren Hajessod, Banken, Jewish Agency — in Werkzeuge des palästinensischen Aufbaus, in Zentrum und Triebfeder des großen propalästinensischen Lagers; diese Entwicklung ist normal und zu begrüßen, insoweit die Zionistische Organisation nicht imstande zu sein scheint, allein