Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Zionistische Krise und Jüdischer Bund
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 279 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionistische Krise und Jüdischer Bund 279 all das ist aus demselben Geiste entstanden; die jüdischen Legionen während des Krieges waren ihm in ihrer Mehrzahl sehr nahe. Trumpeldor und Gordon sind zwei große Namen, und Tel Chaj ist das große Symbol dieser Tendenzen. Die offizielle Bewegung hat aber immer gesucht, sich über sie hinwegzusetzen, sie zu ignorieren; die diplomatischen Verhandlungen schienen ihr wichtiger als die „Bilu", die Balfourdeklaration wichtiger als die Arbeitsalijah. Und da keiner von diesen Tendenzen ein wirklicher Führer entstanden ist und da ihnen der bewußte Wille fehlte, eine heroische Tradition, eine ununterbrochene Kette der heroischen Tat im jüdischen Volke zu schaffen, und sie deshalb in praktische Zwecke hinein sich verirrt und mit sittlicher Läuterung ihrer Anhänger sich begnügt haben, so blieben sie wie vereinsamte Wegsteine — der Weg wurde von ihnen richtig aufgezeigt, aber das geschah rein instinktiv, es fehlte und fehlt bis heute das Bewußtsein, daß das Schicksal der Bewegung von der Volkserziehung abhängt und daß diese Volkserziehung nur durch Tat, durch großes, leuchtendes, enthusiasmierendes Beispiel vollzogen werden kann. Am klarsten tritt dieser instinktmäßige Charakter der wenigen Taterscheinungen der zionistischen Bewegung in den sozialistischen Strömungen und im sogenannten Aktivismus zutage. Eine der stärksten psychologischen Komponenten der zionistisch-sozialistischen Strömungen ist ohne Zweifel in der unbestimmten Abneigung gegen den bürgerlich-nüchternen Charakter der Bewegung zu suchen. Man fühlte, daß eine große revolutionäre Massenbewegung mit diesem loyalen Verhalten den herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen gegenüber, mit diplomatischen Verhandlungen, mit Verkauf von Bankaktien nicht auszulösen ist; wohl gelingt es so, in kleinbürgerlichem Milieu billige Hoffnungen auf den starken Mann, der mit Ministern und Königen verhandelt und heute oder morgen, spätestens übermorgen Palästina für die Juden bekommen wird, hervorzurufen — das ist auch geschehen und die Bewegung wurde deshalb wohl „demokratisch*verlor aber fast jede erzieherische Kraft. Die junge Generation fühlte, daß dieser Charakter der Bewegung für sie am Ende zerstörend wirken mußte. Um die Bewegung aktiver, heroischer, tatkräftiger zu machen, und damit sie mehr und Entscheideneres von ihren Anhängern verlange, hat man zum Sozialismus gegriffen, versetzte aber den Schwerpunkt der Strömung in die ökonomisch-soziale, anstatt in die sittlich-willenshafte Sphäre. Das Bürgertum als Lebensträgheit und seine opferscheue Nüchternheit wurde mit dem Bürgertum als sozialer Klasse verwechselt und somit der wahre Gegner verkannt. Wenn dann der zionistische Sozialismus seine Stunde des Erfolges hatte, schrieb er ihn seinen sozialen Theorien und Plänen zu, während er ihn in Wirklichkeit seinem aktiven, opferbereiten Geiste verdankte. Aus demselben unerträglichen Gefühle des Nichtentsprechens der Methoden und der Ziele ist der Aktivismus entstanden, dessen Hauptziel aber die Eroberung und Stärkung der politischen Positionen des Zionismus wurde und dessen Methoden rein mechanistisch-imitativen Charakter tragen. Das zionistische