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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 5-6 · p. 278

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 5-6
Article
Zionistische Krise und Jüdischer Bund
Date
1924-01-01
Page
278 (sequence 13)
Language
German
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278 Moses Beilinson: liehen Bruch mit der Vergangenheit zu lösen ist. Im gegenwärtigen Zustande der jüdischen Massen aber ist nicht zu erwarten und auch nicht zu verlangen, daß sie diesen Bruch sofort vollziehen. Sie müssen dazu erzogen werden. Das kann nur geschehen, wenn sich eine Vorhut findet, die nicht mit Predigten und nicht mit Aufsätzen, sondern konkret, praktisch, in ihrem wirklichen Leben diesen Bruch vollzieht und den Massen als Beispiel und Mahnung vorangeht. Nicht anders wurden alle anderen Revolutionen, bei uns und bei anderen Völkern, vollzogen. Man kann es bedauern und für die menschliche Natur erniedrigend finden, es ist aber nun einmal so: der sittliche Gedanke an sich, mag er auch noch so klar und unanfechtbar sein, ist nicht imstande, eine entscheidende Wirkung auf die Richtung des menschlichen Willens auszuüben. Der Mensch braucht, um aus seinem Schlummer geweckt zu werden, viel kräftigere Erschütterungen, als sie der bloße Gedanke, in einer Rede oder in einem Buche ausgedrückt, bewirken könnte. Die Tat und das Beispiel sind allein imstande, die Massen fortzureißen, in ihnen das Feuer des reinen Idealismus anzuzünden. Durch das willensfreudige Opfer der Minderheiten, manchmal der verschwindenden Minderheiten sind alle große Bewegungen stark geworden — vom Opfertode des Jesus aus Nazareth oder des Akiba ben Josef an bis zu den gegenwärtigen, unter unseren Augen sich vollziehenden Opfern der politischen und sozialen Gerechtigkeit und nationalen Freiheit. Die nationalen Bewegungen Europas, die politischen Revolutionen, die sozialistischen Bewegungen sind überall durch reines Blut, das für sie freiwillig gegeben wurde, durch Beispiel im Tode und im Leben stark geworden. Sie entarteten, sowie dieses Opfer schwächer und der reine Wille trüber wurde. Nur die Zionisten, gerade diejenigen, die an den schwierigsten Befreiungskampf gingen, glaubten, ihre Befreiung billig, ohne zu große Opfer, durch Geldspenden und diplomatische Verhandlungen, durch Proteste und Vorstellungen bei den Großmächten, durch Fordern von den anderen, durch geringes Fordern von sich selbst, erlangen^ zu können. Der Zionismus ist reich an Rednern und Schriftstellern, an Geldsammlern und guten Beamten, an Politikern und Denkern; er wird bald, wenn es nötig ist, auch an Technikern reich sein. Er ist aber arm an Männern, die immer und überall bereit sind, ihr mehr oder weniger bequemes Leben zu verlassen, ganz mit der Vergangenheit zu brechen, allen Gefahren zu trotzen, wenn es nötig sein soll, zugrunde zu gehen; anders gesagt, der Zionismus ist arm an dem wirksamsten Erziehungsmittel zur Revolution. Es waren und sind aber auch in der zionistischen Bewegung Tendenzen vorhanden, in denen das Gefühl der absoluten Notwendigkeit der Willenserzeugung und Willensbezeugung des jüdischen Volkes, die Anerkennung der Tat und des Beispiels als der einzigen Möglichkeiten, diesen Willen zu erzeugen, — bewußt oder halbbewußt — lebten und leben. Mit solcher Tat wurde eigentlich die Bewegung durch die „Bilu" inauguriert; die Arbeitsalijah, die zweimal einsetzte, 1905—1907 und 19x8—1920, der Hechaluz —

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